"Verbrechen" oder "wunderschön" Das Flugdach scheidet die Geister

Die Bandbreite der Kommentare zum neuen Albertina-Dach ist groß. So richtig nahe geht das Thema aber nur wenigen.

WIEN. Bevor etwas zu sehen war, rauschte es schon heftig im Blätterwald. Bereits im Oktober rechnete die "Krone" hoch: Neunzig Prozent der Passanten würden das geplante Albertina-Flugdach ablehnen.

Inzwischen gibt es das 53 Meter lange Aluminium-Dreieck in natura zu sehen. Donnerstag Abend übergab "Museen-Ministerin" Elisabeth Gehrer das auch "Soravia-Wing" genannte Dach (nach den Sponsoren, den Bauunternehmern Hanno und Erwin Soravia) feierlich der Öffentlichkeit. Was hält diese von ihrem verfrühten Weihnachtsgeschenk? Dieser Frage ging die "Presse" am Freitag an Ort und Stelle nach. Ergebnis: Die Pro- und Contra-Stimmen halten sich ziemlich die Waage.

Julia Köstlinger ist Vertreterin der Contra-Seite. Jeden Tag führt sie der Weg zur Arbeit über den Albertinaplatz. Sie klagt: "Es ist ein Verbrechen an dem Haus. Die ganze historische Ansicht ist zerstört." Zu ästhetischen kommen auch Sicherheitsbedenken: "Wer weiß, ob das hält, wenn mal Schnee liegt."

Auch die Pensionistin Gerlinde Gotz hat nur ein "scheußlich" für den Silberflügel über. "Der versperrt mir den Blick. Ich muss auch nicht dreimal lesen, dass ich vor der Albertina steh'." Aufregen würde sie das Thema aber nicht.

Zwei Gäste aus dem Ausland, Manon Sandee (Erasmus-Studentin aus Holland) und Gilbert Zielinski (Tourist aus Berlin) sind eher gleichgültig als ablehnend: "Von unten sieht's nicht so gut aus", meint Sandee, Zielinski kritisiert das Material: "Es müsste transparenter sein."

"Von der Ferne sieht es aus wie ein Flugzeugflügel."

Bettina Haase, Studentin

In den Kreis der überraschend zahlreichen jungen Kritiker reihen sich auch die Studentinnen Bettina Haase (19) und Barbara Führer (22) ein. "Von der Ferne sieht es aus wie etwas Großes, Graues. Ein Flugzeugflügel vielleicht", assoziiert Haase. "Zu modern", urteilt Führer.

Diametral am anderen Ende des Meinungsspektrums steht Marlene Rodrigues. Die Fotografin sticht aus einer langen Reihe von lauen "Warum nicht?"- und höflichen "Ganz nett"-Repliken heraus: "Von unten eine wunderschöne Perspektive. Wie ein Schiff, das ganz langsam fährt", schwärmt sie, den Kopf in den Nacken gelegt. Auch Sandra Steinemann gefallen "die klare, schöne Form" und das "dezente Grau".

Mehr ums Prinzip geht es ihrer Freundin Claudia Brunner: "Ich find's gut, dass die Biedermeier-Punschkrapferl-Architektur der Innenstadt durchbrochen wird." Die derzeitigen Diskussionen hält sie für "pseudo-kulturell" und "politisch motiviert".

Bloß überrascht ist hingegen Thomas Weinberger: "Ich hab' es mir ärger vorgestellt. Dass man sich deswegen so aufgeregt hat. . ." siehe auch Seite 35

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