Christbaum In Washington: Santa Claus teilt Bäume aus

Kinderweihnacht in den USA: Was Residenten aus den Alpenländern lernen müssen. Ein Korrespondentenbericht.

Man hat es mittlerweile ja schon in Österreich schwer, will man in Zeiten überhandnehmender Santa Cläuse zu Weihnachten das Christkindl feiern. Im Geburtsland von Santa Claus, in den USA, hat man als Christkindl-Enklave aber nicht nur eine 150 Jahre alte Tradition und den Mangel an Bildern ("What does this Christ-thing look like?") gegen sich, sondern auch das Gesetz.

Die Probleme beginnen beim Christbaum. In den Vereinigten Staaten ist es Usus, bereits Anfang Dezember eine Fichte meist aus Plastik - im Wohnzimmer aufzustellen und mit bunten Elektrokerzen zu schmücken. Bei uns ist es dagegen Tradition, dass das Christkind den geschmückten Baum bringt und damit wesentlich zum "Oh"-Erlebnis beiträgt. "War das Christkind bei denen schon da?" fragt die Vierjährige irritiert. Die Erklärung, Santa Claus sei - da bekanntlich etwas beleibt - langsamer als das Christkind und müsse daher schon jetzt anfangen, überall Bäume aufzustellen, wird fürs erste akzeptiert.

Das zweite Problem: Weil die Bäume Anfang Dezember gekauft werden, werden sie Mitte Dezember schon knapp. In den endlosen Wäldern im Süden Virginias findet sich schließlich ein Bauernhof, der noch Bäume zum Selbstfällen anbietet. Eine einmalige Erfahrung, deren romantisches Element sich aber bei minus zehn Grad Celsius und einem knappen Meter Schnee in engen Grenzen hält. Auf den Christbaum gehören natürlich Wachskerzen. Die sind aber rund um Washington, D. C., Mangelware, weil es auf Grund der Feuergefahr per Gesetz verboten ist, in Wohnungen echte Kerzen auf echten oder falschen Christbäumen anzubringen. Im eigenen Haus wird man zwar nicht zum Gesetzesbrecher, man muss sich aber Kerzen und Kerzenhalter per Boten aus Österreich schicken lassen.

Und dann natürlich die Schlacht gegen Santa Claus. Im Kindergarten wird von Santa und seinen Rentieren erzählt; Vier- und Fünfjährige fragen besorgt nach dem Kamin; in jedem Einkaufszentrum drängt sich eine Rotmütze für ein Foto auf. Freunde haben kapituliert und für die Dauer ihres US-Aufenthalts Santa Claus adoptiert. Wir bleiben standhaft, zu uns kommt das Christkind, am Nachmittag des 24. Dezember.

Das macht uns bei den Nachbarn zu noch größeren Exoten als es das Herkunftsland ohnehin schon tut. Die große Genugtuung war aber, als die Bilder des lang- und weißbärtigen Saddam Hussein über den Fernsehschirm flimmerten. "Schau", sagte die kleine Lea, "der sieht aus wie Santa Claus."

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