Fünf Millionen Euro sollen Erpresser für eine Rückgabe des vergoldeten Salzfasses "Saliera" verlangen. KHM-Direktor Seipel will verhandeln.
WIEN (mü). Er sei, hatte Wilfried Seipel beharrlich beteuert, stets zu Verhandlungen mit den Dieben bereit: Jetzt, mehr als dreieinhalb Monate nach dem Verschwinden des etwa 50 Millionen Euro teuren Salzfasses "Saliera" aus dem Kunsthistorischen Museum, könnte es für den Direktor des KHM in Wien die Probe aufs Exempel geben.
Denn bei der Uniqa, wo das Kunstwerk von Benvenuto Cellini versichert ist, ist ein Brief der mutmaßlichen Diebe eingetroffen, in dem ein Lösegeld von fünf Mill. Euro gefordert wird.
"Wir wissen nicht, ob es etwas Ernsthaftes ist oder wieder nur der Versuch irgendwelcher Trittbrettfahrer", sagte Seipel am späten Donnerstagnachmittag zur "Presse". Dem Brief der Erpresser soll Staub beigelegt worden sein, der - so die Polizei gegenüber dem ORF - zu 90 Prozent von der "Saliera" stammen soll. In der Kriminaldirektion 1, die seit dem Kunstraub in der Nacht auf den 11. Mai in dieser Sache ermittelt, wollte man am Donnerstag nicht Stellung nehmen: "Wir sagen weder Ja noch Nein." Auch bei der Uniqa wollte niemand Stellung beziehen.
Seipel appellierte an die Medien um Zurückhaltung: Die Rückkehr des aus dem 16. Jahrhundert stammenden Kunstwerks wäre aber "natürlich eine schöne Herbstüberraschung". Laut Seipel seien in den vergangenen Monaten sehr viele ähnliche Schreiben eingelangt, sowohl bei der Versicherung als auch im Museum.
Alle Indizien deuten jedoch darauf hin, dass der neue Brief die erste wirkliche Chance auf eine Wiederauffindung der "Saliera" sein könnte.
Das Kunstwerk war in der "Langen Nacht der Musik" vom 10. auf den 11. Mai verschwunden; der Täter war über ein Baugerüst ins Museum gelangt.