Das Saliera-Rätsel: Info-Sperre und viel Ärger

Die Polizei verhängte eine Nachrichtensperre über den Erpresserbrief, um den Ermittlungserfolg nicht zu gefährden.

WIEN (red.). Die Polizei hat am Freitag offiziell bestätigt, dass ein "Saliera"-Erpresserbrief existiert - gleichzeitig aber eine Informationssperre verhängt: aus Ärger darüber, dass die Existenz des Briefes überhaupt publik geworden war und aus Angst, den Ermittlungserfolg zu gefährden. Einziges Detail, das man nennen wollte: Der Brief dürfte in Österreich aufgegeben worden sein.

Dass die Informationen frühzeitig an die Öffentlichkeit gelangt sind, verdarb allen Beteiligten den Freitag. Die Gefahr sei nun groß, heißt es, dass der Fahndungserfolg behindert würde. Auch im Kunsthistorischen Museum (KHM) ist man "ganz erbost", dass die Lösegeld-Forderung publik wurde: "Das kann nicht gut sein", sagt KHM-Sprecherin Annita Mader.

Wer die "undichte Stelle" war, darüber herrscht allerdings Rätselraten: Weder das KHM noch die Uniqa-Versicherung noch das Bildungsministerium wollen es gewesen sein. Auch die Polizei soll sich strikt an die Informationssperre gehalten haben.

Wie berichtet, soll bei der Uniqa, wo das auf 50 Millionen Euro geschätzte Salzfass versichert ist, eine Lösegeldforderung über fünf Millionen Euro eingegangen sein. Als "Beweis" sollen kleine Brösel von den Keramikfiguren der "Saliera" beigelegt gewesen sein. Dieser Brief dürfte in der Vorwoche bei der Versicherung eingegangen sein, die Polizei wurde informiert.

Das Verwirrspiel über diesen Brief ging am Freitag weiter - bis der Wiener Polizeipräsident Peter Stiedl am Nachmittag eine Nachrichtensperre verhängte. Es gebe "keine Interviews und keine Auskünfte" mehr. Die Ermittlungen seien im Gang.

Dem schloss sich auch Uniqa an: Man wolle das Schreiben weder "bestätigen noch dementieren". Eine Erklärung sei in absehbarer Zeit nicht geplant, hieß es bei der Pressestelle.

Ob es sich bei den Keramik-Resten tatsächlich um Material von der "Saliera" handelt, sei mittels "Thermoluminiszenz-Untersuchung" möglich, sagen Experten. Dabei wird das Material erwärmt - anhand des in der Abkühlungsphase schimmernden Lichts kann das Alter bestimmt werden. Eine solche Untersuchung würde zwei bis drei Wochen dauern, sagt Norbert Vana vom Atominstitut der österreichischen Universitäten.

Sollte die Lösegeld-Forderung stimmen, scheidet ein Motiv für den spektakulären Diebstahl aus: Bisher hatte man immer vermutet, ein Kunstliebhaber habe die Saliera stehlen lassen, um sie im privaten Kämmerlein bewundern zu können. Das Kunstwerk von Benvenuto Cellini (1500-1571) war in der Nacht auf den 11. Mai aus dem KHM entwendet worden. Der oder die Täter waren über ein Baugerüst eingestiegen - unbemerkt von den Sicherheitskräften.

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