Von der Pop-Art auf den Grund der Dinge: Anne Hausner schenkt dem Alltag seine Stille.
Die Österreichische Galerie Belvedere zeigt Malerei und Fotografie von Anne Hausner
Du bist ja ein richtiges Meisterchen geworden", konstatierte Meister Rudolf Hausner persönlich seiner einstigen Schülerin aus Hamburger Zeiten nach mehreren Ehejahren in Wien. Anne Hausner hatte im Windschatten ihres berühmten Mannes ein eigenes Universum entdeckt, fernab von Überschwang und Phantastentum, introvertiert und in aller Stille. Ein Zustand, der ihr außerordentlich wichtig ist, die dämpfende Watte bildet, in die die zarte rothaarige Malerin den hektischen Alltag packen möchte.
Die Österreichische Galerie Belvedere zeigt ab morgen, Mittwoch, zur ebenen Erde Anne Hausners Bilder der letzten acht Jahre, alle entstanden nach dem Tod Rudolf Hausners 1995. Nicht nur die Malerei, sondern erstmals auch die Fotografien der Künstlerin sind zu sehen. Fotoserien von Wolken, Gesteinen, Blättern, geordnet nach Farben, dienen als Studienmaterial für die Gemälde, wollen aber auch als eigenständige Werke gesehen werden. Durch diese Aufnahmen lernt Hausner Strukturen der Natur kennen, verinnerlicht sie so lange, um mit den filigranen Mustern dann frei spielen zu können. In altmeisterlicher Lasurtechnik, aus durchscheinenden Schichten von Acryl und Öl, entstehen auf Holztafeln Mikro-Welten - Gebirge, Wüsten, Wälder, Meere. Nicht zu verorten, unbelebt. Der Ausschnitt so gewählt, dass Größe und Lage einer Landschaft unklar bleiben. Hausner betreibt ein klassisches Spiel mit den Verhältnissen. Zärtlich fordert sie Respekt ein für die vergessenen Oberflächen. Mit einem weiblich peniblen Blick fürs Detail, fast penetranter Genauigkeit und ziemlich erstaunlicher Ausdauer - wer fühlt sich schon freiwillig tagelang in ein Stück zerknitterte Alu-Folie ein? - entsteht eine Art abstrakter Fotorealismus. Dabei hat Hausner in den vergangenen Jahren den Gegenstand immer stärker zurückgedrängt. Nur selten, wie in den "Steinen" (siehe Abbildung) oder Laub-Bildern sind noch konkrete Formen zu identifizieren. Wichtiger sind der Malerin Reihungen, Wiederholungen, Zufälle - die sprichwörtliche Ordnung im Chaos eben. Klingt abgedroschen? Zu wenig Power? Die zähe, ausdauernde Ernsthaftigkeit der Künstlerin, ihre schrittweise Entwicklung hin zu einer absoluten Ruhe, verleiht Authentizität.
Denn am Anfang stand bei Hausner, die in den sechziger Jahren Fotografie und Malerei studiert hat, die Pop-Art, die Konsumwelt, die knallige Verpackung und glatte Oberfläche, Rosen und Bananen-Schachteln. Doch mit der Zeit zog sie den Alltag näher heran, bis sie in zerknülltem Papier Eisberge erkannte, in Vorhängen Wellen und in Plastikfolien verschneite Hügel.
Die Ausläufer dieser Phase, helle Verpackungs-Bilder aus dem Todesjahr ihres Mannes 1995, sind im Belvedere noch vertreten. Ihre plakativen Stillleben der früheren Zeit finden sich allerdings nur im Katalog angedeutet. Zeitgeistig lockert noch das "Große Eisgebirge", ein 2 mal 2,5 Meter füllendes Einkaufssackerl, die Ausstellung auf, das einzige Bild auf Leinwand. Ein wegen seiner Saugfähigkeit von Hausner nicht so geschätztes Material - auf Holz wirken die Farben tanzender, luftiger - ein Stil, in dem Hausner sich in der Lasurtechnik von den Phantasten unterscheiden möchte. Doch das "Meisterchen" hält es zur Zeit sowieso lieber mit Hockney: "Malerei ist eine Reise in die Stille."(17. 9.-23. 11. Di.-So. 10-18 h.)