Das Rupertinum zeigt in Salzburg zeitgenössische Kunst aus Japan. Sehr schick, sehr teuer - und sehr glatt.
S
chaut aus wie Heidi, ist aber nicht Heidi. Salzburg wundert sich. Die Touristen wundern sich. Obwohl die meisten Besucher aus Fernost das Sujet eigentlich erkennen müssten. Das Rupertinum zeigt Jetzt-Kunst aus Japan und wirbt mit einem unverkennbar orangeroten Schopf vor Alpen-Skyline. Doch "Mr.", nicht Spyri, nennt sich der Schöpfer dieses Bildes, einer von neun Künstlern, die Margrit Brehm ausgesucht hat für die Schau "The Japanese experience - Inevitable".
Ein Erlebnis, dem man nicht ausweichen kann, meint der Titel, und Recht hat er. Jedenfalls im Moment. Weder der Kunstmarkt, auf dem der japanische Hyper-Medien-Realismus in den letzten Jahren boomte, konnte den plakativ-dekorativen Comics-(Manga)-Motiven widerstehen, noch der Augenblick dem aggressiven Erlebnis. Glatte Flächen, knallige Farben und der glitzernde Schein der Kommerz-Kultur fusionierten zu "Tokio-Pop". Dessen Star ist Takashi Murakami, 1962 geboren. Er richtete - Warhol lässt grüßen - die Hiropon Factory ein, eine Plattform für junge Kunst, kuratierte Ausstellungen seiner Kollegen und formulierte 2000 den Theorie-Überbau zur Bewegung. "The Super Flat Manifesto" bringt es schon im Titel auf den Punkt.
Eine Generation, die unter massivem Einfluss vor allem amerikanischer Kultur aufgewachsen ist, setzt die Flut an Medienbildern in ihre eigene schrille Ästhetik um. So wird Heidi, 1972 von einer japanischen Produktionsfirma zu einem der international erfolgreichsten Zeichentrickfilme realisiert, eben zur Zen-Meisterin. Und Murakamis kugelrunde Wunder-Welt verhilft schon einmal einer ganzen Taschen-Kollektion von Louis Vuitton zu Kultstatus, wie die Malerei-Ausstellung der heurigen Biennale Venedig gezeigt hat. "The magic ball" (1999), eines seiner frühesten Großformatige dominiert die Ausstellung im Rupertinum.
Den tiefsten Eindruck aber hinterlassen die Vertreter der poetischen Schiene des "Tokio Pops": Hinter Yoshitomo Naras Zeichnungen von trotzigen Mädchen glimmt pure Boshaftigkeit. In seiner Heimat genießt Nara den Status eines Popstars. Seine Motive finden sich auf unzähligen Merchandising-Produkten vom Aschenbecher zum Häferl. Derartige Liebe - und Erfolg - würden sich wohl auch europäische Künstler wünschen. Doch das geschieht hierzulande meist erst, wenn sie sich nicht mehr wehren können.
Bis 14. 3. Di.-So. 10-18h, Mi. 10-21h.
Tipp: kostümierte Zeichen-Performance von Shintaro Myake, 18. 1., 14 Uhr.