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chuld ist der Wähler. In Wien hätte die ÖVP bei der Nationalratswahl 2002 schlecht abschneiden sollen, damit wäre Landeschef Alfred Finz geschwächt gewesen und ein neuer Mann hätte die Wiener Volkspartei in den Gemeinderatswahlkampf 2006 geführt. So hat man sich's intern ausgemalt. Allein, 30,07 Prozent der Wiener wählten die ÖVP, um 80 Prozent mehr als 1999 (17 Prozent).
Natürlich war der Höhenflug nicht das Verdienst von Finz, sondern von Wolfgang Schüssel. Aber der Wiener Landesparteichef war nach dem Urnengang gestärkt, und das war etlichen Parteifreunden gar nicht recht.
Jetzt übt sich die Landespartei wieder in dem, was sie am besten kann: Im Intrigieren. Schüssel habe der Parteispitze ordentlich den Kopf gewaschen, weil sie so lasch gegen die SPÖ agiere, wird etwa verbreitet. Tatsächlich hat der Bundeschef bei einem Funktionärstreffen auf den Tisch gehaut - und betont, man solle sich um den Gegner kümmern und nicht intern streiten. Recht haben die Gerüchtestreuer aber damit, dass die Angriffe auf die SP-Wien alles andere als scharf sind.
Ein wesentlicher Grund für die brodelnde Stimmung dürfte die Finz-Ansage sein, er werde bei der Gemeinderatswahl als Spitzenkandidat antreten. Dabei war schon vor seiner Wahl zum Obmann klar, dass das jemand anderer machen wird. Selbst Finz war damals bewußt, dass er nicht der charismatische Stimmenfänger ist. Nun sei ihm der Erfolg bei der Nationalratswahl zu Kopf gestiegen, meinen Parteifreunde.
Ein weiterer Grund sind die geplanten Umorganisationen, gegen die es heftige Widerstände gibt. Dass eine Erneuerung notwendig ist, weiss jeder, der sich den überalterten Gemeinderatsklub anschaut oder jene Personen, die in der VP-Wien ein gewichtiges Wort mitreden (und das seit Jahrzehnten). Die Zeit des "Dahinwurschtelns" dürfte aber vorbei sein. Die Parteiführung will die Reformen gegen alle Widerstände durchführen. "Wenn es jetzt nicht kracht", meinte ein Funktionär, "dann kracht es 2006 - weil wir dann nämlich bei der Wahl wieder unter 20 Prozent bleiben werden."
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