"Ein Planet voll unsichtbarer Güte": Im Theater im Konzerthaus unterhält ein russisches Gastspiel anständig.
Wer hat eigentlich keine Angst vor dem Fliegen? Im Grunde hat doch jeder Angst vor dem Fliegen, so philosophieren zumindest drei Arbeiter in einem Autobus-Depot in Sibirien. Aber einen gibt es, der keine Angst vor dem Fliegen hat: Das ist Superman.
Superman hat sich in Maxim Kakosoffs "Planeta newedomijch sil dobra" nach Sibirien verflogen, und in einem wunderbar jammernd-komischen Monolog macht er (Wladimir Korobenikow) diese Notwendigkeit klar: Nicht nur gibt es hier eine gefährliche Vulkanisier-Anstalt und einen selbstmörderisch schlechten LKW-Fahrer, sondern auch - und das ist das Schlimmste - einen Speisesaal. Mit heißem Wasser, scharfen Messern und einem Fleischwolf . . . Die Menschheit ist wie ein kleines Kind - man kann sie nicht allein lassen, muss immer auf sie aufpassen. Wie kleine Kinder gebärden sich auch die drei Arbeiter (in bunten Overalls, mit gelben Schweißermasken), denen Superman zu Hilfe eilt. Ein lächerlicher Streit, die Kunst des Schuld-Abweisens - wie vor dem strafenden Schuldirektor sitzen die drei vor dem überirdischen Retter.
Und hat er ihnen dann geholfen? Nein. Seine Interventionen machen die Situation immer verfahrener. Superman ist auch nicht mehr, was er einmal war. Ein Stück, in seinem Fatalismus eigentlich tragisch - wenn es nicht solchen Spaß machte.
Das Gastspiel der "Loge" aus dem sibirischen Kemerowo bei den "forumfestwochen", das am Samstag im Theater Konzerthaus Premiere hatte, bietet sympathisch-kleinformatige Unterhaltung mit Hintergrund. Überraschung: Ein Dokumentarspiel kann auch lustig sein. Die skurrilen Charaktere des Stücks basieren allesamt auf authentischen Figuren. Die Schauspieler, Laiendarsteller, lassen ihr zweites Berufsleben nicht vermuten. Bewundernswert nicht zuletzt Stefan Schmidtke, der das Stück simultan aus dem Russischen übersetzt. Am Montag ist die letzte Vorstellung. cb