Der lange Weg zum Privat-TV

Der Weg aus Medien-Albanien war weit. Erst seit August 2001 hat Österreich ein Gesetz, das terrestrisches Privatfernsehen erlaubt.

Die Häme war international. "Albanien hat inzwischen ein funktionierendes Privatfernsehgesetz. Das wäre eine Beleidigung, würde man das mit Österreich vergleichen", ätzte RTL-Chef Helmut Thoma im Oktober 2000 in Richtung Österreich. Und tatsächlich: Das aus dem Jahr 1996 stammende Gesetz für privaten Rundfunk ließ zwar kommerzielles Fernsehen zu - allerdings nur für den Empfang via Kabel oder Satellit.

Erst am 1. August 2001 trat auch in Österreich - als letztem Staat Europas - ein Privatfernsehgesetz in Kraft, das kommerzielles, terrestrisches Fernsehen via Hausantenne ermöglichte. Damit wurde die Einführung eines dritten bundesweiten terrestrischen TV-Programms - neben ORF1 und ORF2 - in Angriff genommen. Was an Frequenzen übrig blieb, wurde für Ballungsraum-TV in Wien, Linz und Salzburg sowie für die Digitalisierung reserviert. Die im Herbst 2001 erfolgte Ausschreibung stieß auf großes Interesse: Sieben Bewerber wollten die bundesweite, zwanzig eine lokale Frequenz.

Im Rennen um das österreichweite Privatfernsehen setzte sich der Kabel-Sender ATV unter anderem gegen ein Projekt von Florian Novak und Hanno Soravia durch: ATV erhielt am 1. Februar 2002 von der Rundfunk- und Telekom-Regulierungsbehörde RTR den Zuschlag. Spätere Einsprüche der Konkurrenten konnten daran nicht rütteln. Bei der Vergabe der regionalen Frequenzen setzten sich Ende Juli 2002 die Favoriten durch: In Wien erhielt "puls city tv" (Gewista, Vorarlberger Medienhaus) den Zuschlag, in Linz und Salzburg die Kabel-Sender "LT1" (Wolfdieter Holzhey) und "Salzburg-TV", dessen Eigentümer Ferdinand Wegscheider für seinen Traum vom Privat-TV einst sogar in den Hungerstreik getreten war.

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