Kein Richter für ATV und ORF

ORF und ATV setzen auf friedliche Koexistenz - und haben etwa 15 wechselseitige Verfahren eingestellt.

Wir probieren das einmal." Alexander Wrabetz, Kaufmännischer Direktor des ORF, geht den plötzlichen Kuschelkurs mit ATV vorsichtig an. Die Lage zwischen den Konkurrenten hat sich in jüngster Zeit offenbar entspannt. "Wir hatten in Summe etwa 15 wechselseitige Verfahren laufen - bis vorige Woche." Nach einer entsprechenden Vereinbarung haben ORF und ATV diese nun "teils eingestellt, teils zurückgezogen, teils ruhend gestellt", wie Wrabetz der "Presse" am Rande der Publica03 berichtet.

Dafür habe der ORF außer Streit gestellt, die elf Haupt-Sender, die für die bundesweite terrestrische Verbreitung von ATV notwendig sind, "bis Ende Mai" fertig zu stellen, die restlichen sieben Sendeanlagen werden "bis Ende August" zur Verfügung stehen. ATV startet im Juni. Beide Beteiligten würden sich durch den Schritt eine Menge Geld sparen, so Wrabetz: "Wenn man allein die Juristen-Stunden bis Verfahrensende schätzt, sind das sicher Zehntausende Euro."

"Der ORF hat in der Vergangenheit versucht, Privat-TV zu ver- oder behindern. Die neue Geschäftsführung hat eine andere Sicht." Unter anderem kann sich Wrabetz die Zusammenarbeit mit ATV im Bereich Teletest und bei der derzeit heftig diskutierten digitalen Verschlüsselung vorstellen.

Hintergrund des überraschenden Paarlaufs dürfte die Historie von ATV-Chef Franz Prenner sein. Dieser war lange Jahre unter seinem jetzigen Gegenspieler Wrabetz Werbechef des ORF gewesen.

"Die TV-Werbung hat in Österreich noch immer nicht den Stellenwert wie in anderen Industriestaaten", meint Wrabetz. Der TV-Anteil am Gesamt-Werbekuchen von 24 Prozent sei zu niedrig. ATV und ORF könnten in einigen Fragen im Gleichklang agieren - Wrabetz nennt etwa den Overspill aus Deutschland und die Werbesteuer. "Der Sehermarkt ist nicht zu vergrößern, sondern zu verschieben. Der Werbemarkt hingegen ist zu vergrößern", meinte Prenner bei einer Diskussion auf der Publica.

Doch das Zusammenrücken kennt auch seine Grenzen - so waren die Vertreter der Privatsender not amused, dass Wrabetz die Politik aufforderte, dem ORF regionale TV-Werbung zu erlauben.

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