Der Kopf muss klar bleiben

Zwei junge Lowe-GGK-Mitarbeiter werden Österreich beim Nachwuchs-Wettbewerb in Cannes vertreten.

24 Stunden können sich ziehen. Oder so schnell vergehen, dass man kaum Atem schöpfen kann. Für 206 Youngsters, die aus den heimischen Agentur-Biotopen aufgetaucht waren, um an der Österreich-Ausscheidung für die "Young Creatives Competition" in Cannes teilzunehmen, ist der kürzeste Tag ihres Berufslebens schon vorbei: Er begann um 17 Uhr mit einem Briefing - und endete 24 Stunden später, als sie ihren Entwurf für ein Sujet für den Behinderten-Verein "Balance" abgeben mussten.

Das siegreiche Team - Margot Horcher (Grafik) und Marco Kalchbrenner (Text) von Lowe GGK ließen sich auf die Schnelle "beim Abendessen" inspirieren - wird in der Nacht von Samstag auf Sonntag noch einmal schlaflos auf den Geistesblitz warten und gegen über 30 internationale Teams beim Nachwuchs-Wettbewerb des Werbe-Festivals in Cannes antreten. Kalchbrenner: "Es fällt einem immer etwas ein, aber ob es dann auch gut ist . . ."

Und unkonventionell. Denn auf den eingefahrenen Bahnen der altgedienten Werber wollen die Twens auf keinen Fall nachhinken: "Ich habe beobachtet, dass man, je länger man in dem Bereich arbeitet, umso mehr nach Schemen arbeitet, von denen man weiß, dass sie funktionieren", so Kalchbrenner. Vor dieser Art der kreativen Starre will er sich hüten. Er findet Werbung gut, "die man versteht, ohne dass das Produkt gezeigt wird".

Allerdings sei gerade dieser leise Schleichweg von hinterrücks hierzulande ein kaum begangener, wie Horcher bedauert: "Solche Werbung haben wir in Österreich selten. Hier wollen die Auftraggeber immer möglichst viele Punkte kommunizieren." Manchmal freilich kommt einer und traut sich doch. Der Wäsche-Erzeuger Palmers etwa, für dessen "Invisible"-Kampagne Horcher im Kreativ-Team mitgearbeitet hat: "Da sieht man, dass man auch eine Marke, die jahrelang eine gewisse Stringenz verfolgt hat, inhaltlich auf eine Ebene heben kann, die mutig ist, Spaß macht - und das Produkt war nach drei Tagen ausverkauft."

Der Kopf muss immer klar bleiben. Offen für neue Ideen. Gib es denn aktuelle Strömungen? Kalchbrenner: "International wird derzeit viel mit nonverbaler Kommunikation gearbeitet." Nur mit Bild und Logo. "Bei den internationalen Awards hat die Mehrzahl der Arbeiten keine Headline mehr." Gleichzeitig habe sich das Menschenbild in der Werbung verändert: "Man zeigt wieder natürlichere Menschen und keine Götter oder Göttinnen. Man zeigt erreichbarere Ebenen", meint Kalchbrenner. Horcher korrigiert: "Aber mollig ist deswegen noch lange nicht erlaubt" - was ihrem Kollegen durchaus leid tut: "Vielleicht könnte man ja genau damit etwas auslösen in der Gesellschaft."

Bereits zum 50. Mal trifft sich die Werbebranche an der C´te d'Azur. Zum Festival, das von 15. bis 21. Juni dauert, wurden 16.392 Beiträge aus aller Welt eingereicht, 233 davon kommen aus Österreich.

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