Medien Orf: Mut statt armer Hascherl

500.000 Euro Sonderbudget sollen den ORF behindertenfreundlicher machen.

Wer zahlt, schafft an." Franz Jo seph Huainigg hält nichts von Almosen. "Die Rundfunkgebüh ren-Befreiung für Behinderte ist gefallen - wer zahlen muss, das wird vom Einkommen abhängen." Schätzungen zufolge wird diese Änderung des Rundfunkgebühren-Gesetzes dem ORF mehr als acht Millionen Euro bringen. Nun stellt der ÖVP-Parlamentarier und Behindertensprecher Huainigg Forderungen. "Bisher ist die Wochenschau die einzige Sendung des ORF, die auch in Gebärdensprache übersetzt wird."

Das sei nicht genug. Huainigg denkt an die Übersetzung einer täglichen Nachrichtensendung in Gebärdensprache, "am besten die ZiB1 auf einem Kanal", Kindersendungen in Gebärdensprache, die vermehrte Einblendung von Untertiteln und die Bereitstellung von Audio-Transkriptionshilfen, wo mittels Zweikanal-Ton Erklärungen für Sehbehinderte (etwa von wortlosen Filmszenen) mitgeliefert werden.

"Der Stiftungsrat hat 500.000 Euro Sonderbudget für 2004 beschlossen - seit Mai wird kalkuliert." Damals habe es ein Gespräch mit ORF-Generaldirektorin Monika Lindner über mögliche Maßnahmen gegeben. "Im August wurden wir schriftlich informiert, der ORF kalkuliere noch. Jetzt müsste es Ergebnisse geben." 70.000 Schilling würde der Gebärdendolmescht für die ZiB1 im Jahr kosten, so Huainigg. "Da müsste doch noch mehr drinnen sein." Die Angst des ORF um die Heilige Kuh sei unbegründet: "Es heißt, die Leute würden wegschalten - aber die Wochenschau hat gezeigt, dass das nicht stimmt."

Auch das Bild der Behinderten im ORF gehört seiner Ansicht nach korrigiert: "Behinderte werden als arme Hascherl dargestellt, Behinderung als etwas Schlimmes, das man vermeiden muss." Gerade im Jahr der behinderten Menschen, das für 2003 europaweit ausgerufen wurde, habe er sich vom ORF mehr erwartet als das "No-Problem-Orchestra im Musikantenstadl fürs Mitleid-Klatschen", meint Huainigg. Der ORF solle Mut zu neuen Projekten und neuen Bildern haben: "In Spanien gibt es einen blinden Nachrichten-Moderator, in England gibt es einen geistig behinderten TV-Koch und in Dänemark ein Gehörlosenmagazin im Fernsehen."

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