Contest der Gefühle: Wie eine Soap-Opera

Die ORF-"Starmania" verbreitet den Duft der großen kleinen Welt: Eine Prise Glamour, etwas Bodenständigkeit und ganz viele Kameras. Die Fans haben bereits Witterung aufgenommen.

"Ich will der Christina sagen, wie gut sie ist." Melanie (11) drückt die noch nicht unterschriebene Autogramm-Karte. "Die sind alle so mutig", unterbricht sie Cousine Nicole (9). Nicole schneidet Berichte über die Gesangs-Desperados aus der Zeitung aus. 640 Menschen sind vergangenen Freitag zur Aufzeichnung der sechsten Finalrunde der ORF-Casting-Show "Starmania" auf den Küniglberg gepilgert. Über eine Million war via Patschenkino live dabei. In Spanien sorgte ein ähnliches Format, "Operacion Triunfo", sogar für ein ausverkauftes Real-Madrid-Stadion.

"Man kann sich mit den Kandidaten identifizieren", sagt Corinna (18). "Die internationalen Stars kommen ja nicht her. Zum Beispiel die Avril". Für Marlene (13) liegt der Vorteil inländischer Vorbilder klar auf der Hand. Anna (17) findet es witzig, Leute aus dem Fernsehen in ihren Stammlokalen anzutreffen: "Einer, der mal dabei war, den seh' ich beim Weggehen. Der glaubt jetzt, er kann jede haben. Der ist so peinlich."

"Eigentlich war ich für Vera. Dann für Lukas. Und jetzt wahrscheinlich für Beate", berichtet Karoline (16) vom unsteten Fan-Dasein. Man müsse halt flexibel sein, weil's ja jede Woche weniger werden. Reizthema Friendship-Ticket: Die einen vermuten gnadenlose Taktik, die andern "Freunderlwirtschaft", einzig Christiane (20) findet es spannend, daß die Finalisten jeweils einen der beiden formell Ausgeschiedenen wieder zurückholen können: "Es bringt Schwung in die Sendung, ist aber sehr verräterisch. Wer was Falsches sagt, verscherzt es sich mit den anderen Fans." Auch Andrea (26) ist psychologisch interessiert: "Die G'schichteln im Hintergrund, das ist wie eine Soap-Opera."

Vor Show-Beginn proben Freunde und Anverwandte der Kandidaten das Transparent-Hochhalten. Eineinhalb Stunden und 1,060.000 Anrufe bzw SMS später steht fest: Livia Hubmann hat noch einmal die Kurve gekratzt, Andreas Schneider ist mit seiner Interpretation eines STS-Songs abgestürzt.

Fan Elisa (13) zeigt sich traurig, aber einsichtig: "Die anderen singen halt ein bißchen kräftiger". Zum Trost überreicht sie ihm ein Plakat: "Andi, I love you." Trudel (25) hat das Andi-Drama versäumt. Sie hat zwei Stunden vor der Wiener Disco P1 gewartet. Um bei der After-Show-Party den in der vorigen Runde hinaus gewählten Lukas zu sehen. Nur sehen? "Ja. Da bin ich realistisch. Die bleiben ja eh im VIP-Bereich." Am Gerangel vor eben diesem will sie sich erst gar nicht beteiligen.

"Fans geben Kraft"

Zwei Uhr früh. Finalistin Livia Hubmann sagt, das mit den Fans sei wie ein Kreislauf, ein Geben und Nehmen. Kollegin Christina Stürmer meint: "Fans geben Kraft." Aber auch: "Es ist schon ein Druck. Einmal gut sein, immer gut sein - man will niemanden enttäuschen." Lukas Permanschlager freut sich prinzipiell "über alles" von den Fans. Wenn dann aber immer öfter fremde Leute am Telephon seien, ginge das schon zu weit. Andreas Schneider ist der Mann mit der meisten Fan-Post: 35 Briefe (oft mit Fotos) in einer Woche. Was sie schreiben? "Das ich halt sympathisch bin und fesch." Abgehen werde ihm das jetzt schon.

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