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eine wissenschaftliche Qualifikation wird ihm von manchen abgesprochen, und Kri tiker werfen ihm Fundamentalismus vor. Aber zumindest eines kann man Carsten Peter Thiede nicht absprechen: Er hat durch seine unorthodoxen Thesen eine breite Öffentlichkeit für die einstige Insider-Disziplin Bibelwissenschaft interessiert. Ein Bild von dem umstrittenen, in Basel lehrenden Historiker und Papyrologen kann man sich um 19.30 Uhr im Stefanisaal (1., Stephansplatz 3) machen.
In seinem neuen Buch "Jesus - Der Glaube. Die Fakten" (St. Ulrich Verlag) folgt er erneut seine Lieblingsthese: Die Evangelisten waren antike Geschichtsschreiber, und vieles, was traditionell als frommer Mythos abgetan wird, hat einen historischen Wahrheitsgehalt.
Den Schritt aus dem gelehrten Elfenbeinturm in die Öffentlichkeit versucht auch das Wiener Papyrusmuseum. Passend zur Ausstellung "Ein Buch verändert die Welt", in der frühe Bibel-Fragmente aus der weltgrößten Papyrussammlung ausgestellt sind, referiert Erzbischof Mesrob Krikorian über "Die Bibel in den Traditionen der christlichen Ostkirchen" (19 Uhr, Säulenhalle, Neue Burg, Heldenplatz).
Das Thema Religionsgeschichte überschwemmt im heurigen Jahr der Bibel die Regale der einschlägigen Buchhandlungen. In "Jesus ausgraben. Zwischen den Steinen - hinter den Texten" (Patmos) etwa stellen zwei US-Forscher die Ergebnisse der Archäologie und der Exegese der Heiligen Schriften zusammen.
Und einem der schlimmsten Auswüchse des Christentums widmet sich der Münsteraner Religionssoziologie Horst Herrmann: In seinem "Lexikon der kuriosesten Reliquien" (Rütten & Loening) erzählt er etwa, wie die Heilige Elisabeth von Thüringen gleich nach ihrem Tod von ihren Verehren - in froher Erwartung einer Heilswirkung - "geplündert" wurde: Abgeschnitten wurden etwa Ohren, Haare, Nägel und Brustwarzen. Nicht fehlen dürfen auch die "Schätze" aus Gaming, darunter der Stein, über dem Jesus geboren wurde, Brosamen von der Brotvermehrung - und die Windeln Jesu.