Um die P³cser Madonna, seit 1696 im Wiener Stephansdom, rankten sich im mer viele Gerüchte - immerhin tränten damals die gemalten Augen ja. Angeblich. Eines der schönsten G'schichterln: Ein calvinistischer Pastor meinte, dass hinter dem Bild ein Behälter mit kleinen Fischlein verborgen sei, deren Schwimmbewegungen Wasser aus winzigen Löchern in Mariens Augen fließen lasse. Diese Gerüchte wurden umgehend vom Oberbefehlshaber der kaiserlichen Armee in Ostungarn, Graf Corbelli, zerstreut - und das Bild kam nach Wien und wurde schnell zum Zentrum einer riesigen Wallfahrtsbewegung.
Davon berichtet Hubert Zeinar in seinem lesens- und nachwandernswertem Buch "Wallfahrtsort Wien" (Ibera). Er spürt dabei kaum bekannte Schätze der Volksfrömmigkeit auf: etwa die Votivpestkapelle in Dornbach, das "Mannersdorfer Jesulein" im Kloster der Unbeschuhten Karmeliten oder den "Körberljud" in der Hernalser Kalvarienbergkirche. Diese Statue sei früher immer wieder von frommen Wiener Pilgern misshandelt worden, erzählt er.
Nicht minder Interessantes hat Graz zu bieten: Die Kalvarienbergkirche in Lend enthält etwa eine Nachbildung der Heiligen Treppe im römischen Lateranpalast, über die man sich auf den Knien der Gnadenkapelle nähert. Ausgezeichnet beschrieben sind derartige Grazer Gebetsstätten in "Wege zu Gott" (Styria).
Das Wallfahrten, die Hoffnung auf Heilung, Besserung, Erbauung scheint uns "modernen" Menschen unverständlich - doch so mancher Schriftsteller lehrt uns eines Besseren. Etwa wenn Pavel Kohout in seinem Klassiker "Die Einfälle der Heiligen Klara" (Goldmann) die Entstehung einer spirituellen Massenbewegung mitten im Kommunismus beschreibt. Auch zwei neue Bücher vermitteln diesen Sog des Heiligen, stets mit einem Schuss Satire: gota Bozai beschreibt in "Irren ist göttlich" (btb) eine Ungarin, der plötzlich ein Heiligenschein wächst; und Alexej Slapovsky erschafft in "Der heilige Nachbar" (Claasen) eine Figur, die Wasser in Wodka verwandeln kann.