Gott, sind die Menschen in Liechtenstein zu beneiden: Ihre Sorgen hätte man am Sonntag liebend gerne gehabt.
Gott, sind die Menschen in Liechtenstein zu beneiden: Ihre Sorgen hätte man am Sonntag liebend gerne gehabt. Was wäre das für ein Tag gewesen, an dem man sich mit der Frage, ob Fürst Hans-Adam II. ja wohl dürfen wird, was er will, von allem anderen hätte ablenken können: Von dem "Kriegsrat" der willigen Politiker George W. Bush, Tony Blair und Jos© Maria Aznar; von der offensichtlichen Unvermeidbarkeit des Irak-Krieges, von all den quälenden Zweifeln über dessen Konsequenz.
Was für ein Tag, an dem man sich nur hätte über den Ruf aus einer längst vergangenen Zeit wundern müssen: Mehr Macht dem Fürsten! Und darüber, wie anachronistisch die Sorgen der Liechtensteiner eigentlich anmuten. Was für ein Tag, an dem man die Zweidrittel-Mehrheit für den Fürsten als Zeichen der Stabilität in dem Kleinstaat hätte sehen können; den Liechtensteinern gratuliert hätte, weil sie sich über das Fürstenhaus identifizieren.
Aber es war eben ein anderer Tag, der zu viel mehr Nachdenklichkeit anregte. Nicht einmal Liechtenstein konnte man davon ausnehmen: Was soll die überwältigende Zustimmung zur Machtverlagerung auf die Burg in Vaduz demokratiepolitisch werden? Wie rückwärtsgewandt sind die Liechtensteiner eigentlich? Oder waren sie nur des zehn Jahre langen Verfassungsstreits überdrüssig, weil auch sie wissen, dass sie in nächste Zeit ganz andere Sorgen haben werden? In früheren Zeiten hätten sie sich ja noch in die Burg flüchten können. Aber die sind vorbei.
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Ein demokratiepolitischer Schritt zurück zum Absolutismus in Vaduz.