Herrscht Angst vor einem möglichen Irak-Krieg oder fürchten sich die Menschen vor einem solchen? Da soll es einen Unterschied geben? Doch.
Herrscht Angst vor einem möglichen Irak-Krieg oder fürchten sich die Menschen vor einem solchen? Da soll es einen Unterschied geben? Doch. Und er zeigt sich - wieder einmal - in der Einstellung der Menschen in den USA und in Europa.
Die Europäer haben Angst, die Amerikaner fürchten sich. Angst ist nämlich nach der Definition der Psychologie ein "Gefühlszustand, der im Unterschied zur Furcht einer unbestimmten Lebensbedrohung" entspricht. Weil sich Europäer erstens durch den Irak nicht konkret bedroht fühlen und zweitens - im Gegensatz zu den Amerikanern - auch im Fernsehen keine spezifischen Szenarien vermittelt bekommen, haben sie schlicht und einfach Angst vor dem Ungewissen, dem Denkmöglichen, aber nicht Faßbaren.
Amerikaner hingegen verbinden die propagierte Bedrohung durch den Irak konkret mit dem 11. September 2001. Auch sind sie tagtäglich und stündlich in allen TV-Stationen mit ganz konkreten Ratschlägen für die Krise konfrontiert: Wie schützt man sich vor einem Giftgasangriff, wie vor einem neuen Attentat? Was soll man horten, wohin flüchten? Furcht löst - im Gegensatz zu Angst - immer ganz konkrete Handlungsweisen aus: Flucht und/
oder Aggression.
Daher war es jüngst bei einer Studie der SP-Kinderfreunde richtig, davon zu sprechen, daß 60 Prozent der österreichischen Kinder zwischen sechs und 15 Jahren Angst vor Krieg haben; falsch, daß sie sich davor fürchten.
Etwas ältere Jugendliche haben - wie die aktuelle Hysterie um "Starmania" zeigt - die Möglichkeit zu Eskapismus; also zu einer gewissen Fluchtreaktion. Das verschafft kurzfristig Erleichterung, lenkt ab, laßt Ängste vergessen. Diese Gruppe und die mittlere Generation hat also zahlreiche Möglichkeiten der Verdrängung und Ablenkung. Die ältere Generation wieder nicht. Sie denkt an die Stimmung in früheren Zeiten, hat Angst vor einem weiteren Weltkrieg - ohne jede Rücksicht auf die geänderten Zeitläufe. Der Umgang mit Angst ist unterschiedlich, nie aber kann er rational sein.