Zählt die Meinung jener, die sich weltweit gegen einen Irak-Krieg aussprechen, gar nichts?
Ob die USA und Großbritannien tatsächlich gegen den Willen der Mehrheit im UN-Sicherheitsrat in den Krieg ziehen, wird sich wohl nie mehr klären lassen. Denn nach einem eventuellen US-Sieg werden alle dafür gewesen sein, nach einem möglichen Desaster alle dagegen.
Klar hingegen ist schon jetzt: Die Mehrheit der Bevölkerung allerorts, so weit durch Umfragen erfasst, will diesen Krieg nicht - oder nicht so. Selbst in den USA gab es bis jetzt immer nur eine Mehrheit für einen Schlag gegen Saddam Hussein mit Zustimmung der UNO. Der Befund wirft eine grundsätzliche Frage auf: Zählt die Meinung jener, die sich weltweit gegen einen Irak-Krieg aussprechen, gar nichts? "Mit Respekt", so sagte Bush im Jänner nach ersten großen Protestmärschen, "teile ich nicht die Meinung der Demonstranten".
Eine Entscheidung für den Krieg über die Köpfe der Bürger hinweg? Sie kann so falsch oder so richtig sein wie eine von einer Mehrheit getragene. Vielleicht hilft da ein Blick zurück in die jüngste Vergangenheit: Als im Dezember 1979 der Nato-Doppelbeschluss zur Stationierung von Cruise Missiles und Pershing-Raketen in Europa fiel, da gingen die Menschen auch auf die Straße, manche wanderten aus Angst sogar aus. Heute jedoch weiß man, dass diese militärische Kraft-Entscheidung auch ein Grund für den Zerfall der kommunistischen Regime viele Jahre später war; dass damit jene Entwicklung in Europa eingeleitet wurde, über die sich heute alle freuen.