Westliche Erschöpfung und Fatalismus im Kampf gegen den Terror könnten sich als fatal erweisen.
Die stärkste Kritik an der US-Regierung und ihren Geheimdiensten nach den Anschlägen von 9/11 betraf deren Unfähigkeit, in den Monaten vor der Katastrophe "die einzelnen Punkte zu einer Linie zu verbinden" und richtig zu deuten.
Jetzt geht es offenbar wieder um solche "Punkte", nimmt man nur die Meldungen eines einzigen Tages her: Gestern, Dienstag, bezweifelte die griechische Regierung, dass 680 Tonnen Sprengstoff auf einem Schiff mit Kurs auf den Sudan wirklich für "zivile Nutzung" bestimmt waren.
Zugleich hieß es in Pakistan, Taliban-Führer Mullah Omar habe ein neues Gremium gegründet, um die US-Soldaten und die afghanische Übergangsregierung zu vertreiben. Die Supermacht USA findet Omar ebenso wenig wie Osama bin Laden. Und die UNO fügte gestern einen weiteren Punkt hinzu: In einem Bericht wird davor gewarnt, dass das Terrornetzwerk al-Qaida "mobil und einsatzfähig" und seine Finanzierung ungebrochen sei. 800 "Kämpfer" werden weltweit gesucht.
Allerdings nicht sehr effizient, wie UN-Experten festschreiben: Daten werden unkorrekt oder unvollständig weitergegeben. In dieser Situation ist Zynismus verständlich: Man könne schließlich nicht jeden "Ali" festnehmen, heißt es.
Sollte demnächst wieder ein blutiger Anschlag die Welt erschüttern, gilt die Ausrede mit den verwirrenden Punkten nicht mehr. Es macht sich offenbar nicht nur Zynismus, sondern auch Fatalismus breit. Man darf nicht aus jedem "Ali" einen Terrorverdächtigen machen, aber auch nicht die Suche nach den Linien nur noch halbherzig betreiben. Denn dann hätte am Ende Osama bin Laden Recht, der auf die Schwäche des Westens hofft und mit ihr rechnet.