Glosse: Öko-Schluss-Punkt

A
us, Schluss, vorbei. Am 31. Dezem ber werden die letzten Frächter Ökopunkte abbuchen, wenn sie durch Österreich fahren. Danach gilt zumindest für die europäischen Fuhrunternehmen "Freie Fahrt". Österreich hat beschlossen, die (ziemlich wirkungslose) Verlängerung des Ökopunktesystems nicht mehr umzusetzen. Und zwingen wird uns wohl niemand dazu. Was haben die Ökopunkte gebracht? Zunächst einmal einen psychologischen Effekt: Den Österreichern wurde damit die Angst genommen, in der EU vom Transitverkehr überrollt zu werden. Zweitens hat es zu einer raschen Modernisierung der Lkw-Flotte geführt. Viele Frächter haben in neue schadstoffärmere Fahrzeuge investiert, um bei gleichbleibender Ökopunkteanzahl mehr Fahrten durchführen zu können. Damit wurde aber drittens das eigentliche Ziel, eine Verringerung der Transitfahrten, verfehlt. Die Verkehrslawine stieg weiter an. Insofern war der ganze populistische Kampf der Regierung (wer erinnert sich noch an die häufigen Vetodrohungen der noch häufiger wechselnden Verkehrsminister) um die Verlängerung der Ökopunkte nicht ganz verständlich. Auch die nunmehrige Drohung mit scharfen Verkehrskontrollen ist nicht mehr als eine populistische Geste. Sie wird keinen einzigen Lkw von der Fahrt durch Österreich abhalten.

Die wahren Verkehrsprobleme liegen ja wo anders: Mit Ausnahme der Brenner-Strecke ist nämlich der Anteil des Transitverkehrs verschwindend gering, die "Verkehrshölle" damit hausgemacht. Und am Brenner wird man den Verkehr mit Beschränkungen, aber auch mit hohen Mautgebühren nicht wegbekommen, sondern nur mit einem attraktiven Angebot zum Umstieg auf die Bahn. Das gäbe es jetzt schon, wäre dieses Ziel mit der gleichen Energie verfolgt worden, wie die Verlängerung der Ökopunkte.

martin.fritzl@diepresse.com

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.