Der Tod und die Politik

Die Politik fordert ihre Opfer. Ob wirklich durch Freitod stellt sich oft erst später heraus.

Die Fälle sind nicht vergleichbar und dennoch auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen: Verstrickungen in die und in der Politik können tödlich sein. Und: Die Todesursache muss nicht die offizielle sein, wie im Fall des italienischen Bankiers Roberto Calvi. Erst nach 20 Jahren weiß man, dass der angebliche Selbstmord keiner war.

Dabei spielt das kulturelle Umfeld eine nicht unerhebliche Rolle. Öffentliche Schande hat in Asien einen anderen Stellenwert als in Europa. Deshalb tauchten auch gestern nach dem Selbstmord des südkoreanischen Unternehmers Chung Mong Hun nicht sofort Zweifel an der offiziellen Version auf, weil Selbstmord in Asien als adäquate Reaktion auf die Entdeckung eines öffentlichen Skandals gesehen wird - und ein solcher wäre es, sollte die sogenannte "Sonnenscheinpolitik" des früheren Präsidenten Südkoreas Kim mit Bestechungs-Millionen des Hyundai-Konzerns für das nun ob des Atom-Konflikt s international noch stärker als früher geächtete nordkoreanisch KP-Regime erkauft worden sein. Immerhin wurde dafür der Friedensnobelpreis vergeben.

Der Todessprung eines Politikers in Europa hingegen - wie jener des deutschen FDP-Politikers Jürgen Möllemann - führte sofort zu Verschwörungs- und Mord-Theorien und auch Schuldzuweisungen mit antisemitischem Zungenschlag. Dass sich ein Europäer aus Angst vor Enthüllungen in den Freitod flüchtet, gilt als wenig wahrscheinlich.

Es gibt aber auch unfreiwillige tödliche Verstrickungen in die Politik wie jene des britischen Experten David Kelly. Was hatte er denn persönlich mit der Irak-Politik George W. Bushs und Tony Blairs zu schaffen? Vielleicht werden all diese Todesfälle in 20 Jahren in einem anderen Licht erscheinen - wie Calvis heute.

anneliese.rohrer@diepresse.com

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