Deutschlands Kanzler Gerhard Schröder wird sich warm anziehen müsssen.
Selbst wenn die Feiern zum 1. Mai in Neu-Anspach bei Frankfurt am Donnerstag bei strahlender Frühlingssonne über die Bühne gehen, wird sich Deutschlands Bundeskanzler, SPD-Chef und Redner Gerhard Schröder, warm anziehen müssen, wie es in einer zur Zeit sehr beliebten politischen Floskel heißt. Denn seine Agenda 2010 mit Kürzungen im Sozialbereich ist wohl ein klassisches Thema für den Tag der Arbeit; Proteste dagegen wären eine klassische Reaktion.
Im Vorfeld der Mai-Aufmärsche hat Schröder rechtzeitig zweierlei getan: erstens sein Reformprogramm durch den SPD-Vorstand gebracht und mit 28 Ja- bei vier Gegenstimmen und vier Enthaltungen ein respektables Ergebnis erzielt; zweitens seiner Partei mit Rücktritt gedroht, sollten seine Reformpläne nicht akzeptiert werden. Damit wäre ihm die "inhaltliche Grundlage" seiner Arbeit entzogen.
Schröder verknüpft also sein politisches Schicksal mit der Agenda 2010. Diese Haltung würde ihn ehren, wäre mehr als Disziplinierungsmaßnahme für die eigene Partei. Leider ist die Drohung wegen des Sonderparteitages am 1. Juni in diesen Geruch gekommen und signalisiert damit mehr einen Machtkampf als inhaltliche Festigkeit. Dabei wäre es doch erfrischend, wenn wieder einmal ein Politiker aus wahrer Überzeugung Konsequenzen ziehen würde.
Die Drohung Gerhard Schröders gilt der SPD, nicht so sehr dem Inhalt seiner Reformpläne.