Die Ölwaffe ist stumpf geworden

Die Scheichs haben mit ihren überzogenen Ölpreisschüben zwar Reichtum angesammelt, aber Macht verloren.

Leere Autobahnen, auf denen Spaziergänger promenierten, Autos mit weißen Pickerln auf der Windschutzscheibe, auf denen der individuelle "autofreie Tag" vermerkt war, Hamsterkäufe an den Tankstellen: Als die arabischen Opec-Staaten im Gefolge des Yom-Kippur-Krieges im Herbst 1973 die Ölpreise drastisch hochschnalzten und gleichzeitig wichtige westliche Industriestaaten mit einem Öl-Lieferboykott für die Unterstützung Israels abstraften. war die industrialisierte Welt schnell aus dem Gleichgewicht.

Geblieben sind uns von diesem und vom im Jahr 1979 folgenden Ölschock Geschwindigkeitsbeschränkungen für Autofahrer, die unterdessen zu "Semesterferien" umbenannten "Energieferien" im Februar - und die doch angenehme Erkenntnis, daß zur Erpressung ausgelegte Kartelle kurzfristig große Macht gewinnen können, sich mittelfristig aber leicht selbst überdribbeln.

Denn die Scheichs haben mit ihren überzogenen Ölpreisschüben zwar Reichtum angesammelt, aber Macht verloren. Der hohe Ölpreis machte die teure Ölförderung etwa in der Nordsee, in Alaska oder in Sibirien interessant und beschleunigte die Entwicklung energiesparender Technologien enorm. Heute ist die Welt viel weniger von arabischem Öl abhängig als vor dem ersten Ölschock 1973.

Die wichtigen Produzentenländer kennen diese Zusammenhänge natürlich. Und das ist wohl auch der Grund dafür, daß sie seit langem bestrebt sind, den Preis des schwarzen Goldes halbwegs konstant zu halten. Vom Öl als politischer Waffe redet schon lange keiner mehr.

Deshalb hat die Welt die Drohung des malaysischen Ministerpräsidenten, "islamisches" Öl im Falle eines Irak-Krieges mittels Boykotts als Waffe einzusetzen, weltweit höchstens Achselzucken hervorgerufen. Jeder weiß, die großen Ölproduzenten sind von den Öleinnahmen mindestens ebenso abhängig wie die Industriestaaten von Öllieferungen. Sie werden sich hüten, den Ast, auf dem sie recht komfortabel sitzen, noch einmal selbst abzusägen.

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