Die Bestreikten könnten zu den heimlichen Profiteuren dieses Streiks zählen - eine mehr als absurde Konstellation.
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lle Rädchen sind in Bewegung ge setzt, auf dass am Dienstag alle Rä der still stehen (oder was sich in modernen Fabriken halt sonst so bewegt). Österreich darf sich an den Gedanken gewöhnen, ein ganz normales Land zu sein, in dem ganz normale Streiks stattfinden.
Über die politische Frage, ob die Streiks gerechtfertigt und politisch zielführend sind, wird heftig diskutiert. Die ebenso wichtige Frage, was die Kampfmaßnahmen für den Wirtschaftsstandort Österreich bedeutet, wird seltsamerweise ausgeblendet. Von den Vertretern der Wirtschaft ist kein Aufschrei und Wehklagen zu hören, das ansonsten doch schon bei weit geringeren Anlässen einsetzt. Das könnte auch an der absurden Konstellation liegen, dass die Bestreikten zu den heimlichen Profiteuren zählen könnten. Wenn die Gewerkschaften an Einfluss gewinnen, gilt das auch für ihren Widerpart auf Sozialpartner-Ebene, die Wirtschaftskammer.
Wieviel der Streik tatsächlich kosten wird, hängt natürlich von Ausmaß und Dauer ab. Auf volkswirtschaftlicher Ebene ist mit einer Reduktion des BIP zu rechnen. Ein Tag Generalstreik kostet 0,4 Prozent des BIP (oder 800 Millionen Euro), so die Faustregel, die aber mit einigen Unsicherheiten behaftet ist. Denn dass die Produktion eines Tages einfach ausfällt und nicht nachgeholt wird, ist nur in den seltensten Fällen anzunehmen. Dies gilt umso mehr, wenn der Streik nur wenige Stunden dauert. Andererseits wird nicht der gesamte Ausfall wettgemacht. Fahrgäste, die am Dienstag die öffentlichen Verkehrsmittel nicht benutzen können, tun dies deshalb am Mittwoch nicht zum Ausgleich zweimal.
Jedenfalls könnte - bei einer allfälligen Eskalation - ein mehrtägiger Streik das Wirtschaftswachstum entscheidend bremsen bzw. dazu führen, dass der schmale Grat zur Rezession überschritten wird. Und er könnte - da das BIP mit der Beschäftigung korreliert - zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führen.
Auch auf betrieblicher Ebene hängen die Auswirkungen des Streiks von Art und Dauer ab. Wenn etwa - wie beim BMW-Werk in Steyr - die Kampfmaßnahmen in arbeitsfreien Zeiten stattfinden, wird sich der Schaden für das Unternehmen in Grenzen halten. Wenn dagegen - wie beim Autozulieferer Magna Steyr geplant - gezielt die Just-in-Time-Lieferungen blockiert werden, können die Kosten ein beträchtliches Ausmaß annehmen. Pönalezahlungen werden fällig, Aufträge können verloren gehen.
Rein wirtschaftlich betrachtet bedeutet dies: Ein kurzer Streik ist nicht die große Katastrophe für die heimische Wirtschaft. Länger dauernde Kampfmaßnahmen können aber doch zu beträchtlichen Problemen führen, zumal in einer konjunkturell schwierigen Lage wie der derzeitigen.
Abseits von diesen Hard-Facts gilt es aber noch eine psychologische Komponente zu beachten. Eines der wichtigsten Assets Österreichs im internationalen Standort-Wettbewerb ist das Argument der sozialen Sicherheit. Dass die Streikdauer in den vergangenen Jahrzehnten in Sekunden gemessen wurde (die wiederum zumeist von pragmatisierten Beamten verursacht wurden) war für nicht wenige Konzerne ein gewichtiges Argument, hier zu investieren. Auch die Streikenden wären gut beraten, darauf zu achten.