Glosse: Bombenstimmung zu Silvester

Das Rätsel zum Jahreswechsel muss bald geklärt werden: Wieso explodiert EU-Hass just in Bologna ?

Nach den 25 Briefbomben des Franz Fuchs sind die Österreicher besonders sensibilisiert. Schließlich weiß man, welch schwere Verletzungen bei einem gefährlichen Inhalt aus Sprengstoff und Zünder möglich sind; und dass alles keineswegs so glimpflich abgehen muss wie bei jenen Postsendungen, die seit Samstag innerhalb des EU-Landes verschickt worden sind.

Noch ist nicht klar, ob diese Briefe und Pakete aus Bologna alle wirklich so harmlos zusammengebastelt waren wie die Behörden sagen. Es könnte ja sein, dass man der Bevölkerung die Bombenstimmung der ganz anderen Art zu Silvester nicht verderben und vor allem keine Hysterie auslösen will. Unklar ist auch, ob die These von den Anarchisten-Gruppen oder jene vom möglichen anarchistischen Einzeltäter zutrifft.

Klar ist nur, dass bei Terror dieser Art die Aufklärung besonders ist: Franz Fuchs ging vier Jahre, von 1993 bis 1997, seelenruhig aufs Postamt, bevor er zufällig ausfindig gemacht wurde. Der "Unabomber" in den USA bastelte sogar 17 Jahre, bevor man ihn 16 Attentate, drei Tote und 23 Verletzte später in seiner Hütte aufspürte.

So unpassend es klingen mag: Die Tatsache, dass die Briefe in den letzten Tagen dieses Jahres entdeckt worden sind und keinen Schaden angerichtet haben, ist doch beruhigend: Die Sicherheitsmechanismen sind offenbar besser, die Wachsamkeit ist größer geworden. Jetzt bleibt vor allem zu ergründen, wo und warum der Hass auf die EU sich explosionsartig verdichtet. Denn, dass es sich um anarchistische Mafiosi handelt, denen Europol und Eurostat in die Quere kommen, oder um mafiose Anarchisten, die bei der EZB in Frankfurt und bei der Kommission in Brüssel alles Übel sehen, kann man nicht wirklich glauben.

anneliese.rohrer@diepresse.com

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