Glosse: Bittere Pillen für die Alten

Auch wenn es die deutsche Regie rung freundlich umschreibt: In Wirklichkeit hat sie an diesem Wochenende ihren Rentnern eine bittere Pille verabreicht. Kommendes Jahr werden die Renten nicht erhöht, dafür aber die Beiträge der Rentner zur Pflegeversicherung. Was in der Praxis bedeutet, dass nicht nur die Inflation nicht abgegolten wird, sondern den Rentnern auch nominell weniger Geld in der Tasche bleibt. In einem Land, in dem - wie in Österreich - die Pensionisten schon einen beträchtlichen Teil der Wählerschaft stellen, ist das ein mutiger Schritt. Aber die Alternative wäre eine Erhöhung der Beiträge gewesen - und das hätte die angeschlagene deutsche Wirtschaft noch weiter geschwächt. Einigen Experten geht sogar dieser Schritt nicht weit genug, sie fordern eine Kürzung der Renten.

Das Thema "Sicherung der Pensionen" wird nicht nur Deutschland weiter beschäftigen, sondern natürlich auch Österreich, wo im Frühjahr nach ersten mutigen Ansätzen doch nur eine "Reform light" zustande gekommen ist. Die angekündigte Fortsetzung, eine Harmonisierung aller Pensionssysteme bis Jahresende, droht gerade eben zu versanden - oder glaubt jemand ernsthaft, dass ein derartiges Jahrhundertwerk in knapp zwei Monaten noch über die Bühne gehen kann? Früher oder später werden leere Pensionskassen zu weiteren Reformschritten zwingen. Und die könnten für die bestehenden Pensionisten ähnlich schmerzhafte Einschnitte beinhalten wie jetzt in Deutschland.

martin.fritzl@diepresse.com

Das Thema Pensionen wird auch uns nach der "Reform light" im Frühjahr noch beschäftigen.

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