Die wunderbare Welt des öffentlichen Dienstes

In Wirklichkeit geht es den Beschäftigten in der Privatwirtschaft natürlich nicht besser, doch die These von der Zwei-Klassen-Gesellschaft stimmt trotzdem.

Die Österreicher leben in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft. Auf der einen Seite unzufriedene Staatsdiener, die sich ständig mit Streiks und Streikdrohungen gegen ausbeuterische Arbeitsverhältnisse wehren müssen. Auf der anderen Seite zufriedene Mitarbeiter in der Privatwirtschaft, die sich paradiesischer Zustände am Arbeitsplatz erfreuen.

Sie glauben das nicht? Sehen Sie sich doch einmal die Streikstatistik an. In den vergangenen Jahren haben die Mitarbeiter von Postbus und ÖBB sowie Beamte und Lehrer zu diesem härtesten Mittel gewerkschaftlicher Kampfmaßnahmen gegriffen. Der letzte Streik in der Privatwirtschaft datiert aus dem Jahr 1993 - und betraf das Staatsunternehmen AUA.

In Wirklichkeit geht es den Beschäftigten in der Privatwirtschaft natürlich nicht besser, doch die These von der Zwei-Klassen-Gesellschaft stimmt trotzdem. Der überdimensionierte öffentliche Sektor, in dem mit Arbeitsplatzgarantie versehene Beschäftigte von einschneidenden Reformen weitgehend verschont bleiben, erscheint für Normalsterbliche zunehmend skurriler. Wie es in der wunderbaren Welt des öffentlichen Dienstes zugeht, zeigt der von der "Presse" aufgezeigte Fall des ÖBB-Gewerkschafters, der pro forma zum Lokführer gemacht wurde, um in Frühpension gehen zu können. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs.

Die nun angekündigten Streiks streben eine Aufrechterhaltung der Status quo an. Privatisierungen würden Veränderungen bedeuten, und gegen die wehren sich die strukturkonservativen Gewerkschaften besonders heftig. Das Argument, die öffentliche Hand dürfe bestimmte Aufgaben nicht aus der Hand geben, kann man dabei getrost vergessen. Warum sollte eine private Post Briefe nicht ordentlich zustellen, eine private Bahn nicht einen ordentlichen Fahrplan aufrechterhalten können? Angesichts der derzeitigen Unzufriedenheit der Kunden mit diesen Leistungen darf man sogar auf eine Verbesserung hoffen.

Die entscheidende Frage ist, ob wir uns auf Dauer die Kosten des öffentlichen Sektors werden leisten können. Der Druck der leeren Kassen ist größer, als mancher wahrhaben will.

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