"Fracksausen im Wiener Rathaus", "Welterbe: Tourismus-Direktor fürchtet Schaden durch Debatte", 24. Februar
Nach Jahren besten Einvernehmens mit meiner lieben "Die Presse" bin ich doch erstaunt, einen Hauptkommentar auf Seite 1 und eine Haupt-Geschichte im Wien-Journal gewidmet zu bekommen, ohne dass mit mir aktuell gesprochen wurde. Nun gut, als Quelle des Kommentars und des Artikels diente meiner lieben "Die Presse" ein zweiminütiger ORF-Wien Beitrag von Florian Sekira, gesendet am Vortag der "Presse"-Beiträge. Doch schmerzt, dass meine liebe "Die Presse" nach dem Nichtanruf bei mir auch noch den Schluss des kurzen ORF-Beitrages nicht berücksichtigte. Denn da hieß es: "Insgesamt hält Seitlinger die Bedeutung des Bauprojektes Wien-Mitte für überbewertet. Er hofft, dass die Experten der Unesco besonnener agieren, als in der aktuellen Diskussion befürchtet." Im Klartext: Mit Überbewertung meinte ich - wie auch dem ORF so dargestellt - vor allem das Agieren des Österreich-Komitees von Icomos. Meine Hoffnung richtet sich auf die Unesco, die bisher besonnener agierte als das Österreich-Komitee.
Mag. Karl Seitlinger
Tourismusdirektor
1020 Wien
Währungsreserven sind VolksvermögenGriff nach OeNB-Reserven könnte zum Debakel werden, 5. März
Bei der derzeitigen Diskussion um die diversen OeNB-Reserven wird meiner Meinung nach auf die Quintessenz vergessen. Die Währungsreserven und OeNB-Beteiligungen sind das Volksvermögen jedes Staatsbürgers der Republik Österreich, jedes Arbeitnehmers, und damit besonders des Steuerzahlers.
Meine Kritik äußert sich nicht an den Währungsreserven der Nationalbank, die nur mit Zustimmung der EZB angezapft werden können, sondern an der weitaus überhöhten, nicht marktgerechten Pensionsreserven von zwei Mrd. Euro bzw. an den verschiedenen Beteiligungen (Casino-Anteil, Immobilien).
Man sollte nicht vergessen, dass die Kumulierung dieses Vermögens Volksvermögen jeden einzelnen Bürgers dieser Republik darstellt. In Zeiten knapper öffentlicher Kassen, vor allem der Verschuldung des Staates (zwei Billionen öS), bei hohen Abgaben (Sozialversicherung und Steuern) jedes Arbeitnehmers bzw. -gebers, sollte man sehr wohl diese Privilegien der OeNB, bzw. deren Beteiligung, überdenken.
Justin Hofer
8230 Hartberg
ÖBB-Zuschuss: Wie der Betrag zu Stande kommtEs ist Faktum, dass der Staat nicht nur in Österreich dazu verpflichtet ist, für Erhaltung, Ausbau und Betrieb der Schienen und somit der gesamten Verkehrsinfrastruktur aufzukommen. Wenn nun immer wieder der ÖBB-Zuschuss mit einem Betrag von 4,1 Mrd. Euro kolportiert wird, muss man auch wissen, wie dieser Betrag zu Stande kommt. Rund 2,3 Mrd. ist dabei der Mittelbedarf für die Aufrechterhaltung eines funktionierenden Systems Eisenbahn, davon rund 900 Mill. für das eingesetzte Personal und 700 Mill. für Netzausbaumaßnahmen. Faktum ist, dass 600 Mill. Euro dieses Zuschusses gemeinwirtschaftliche Bestellungen von Bund und Gebietskörperschaften sind: eine Abgeltung von sozial- und verkehrspolitisch gewünschten Fahrpreisen für die Bevölkerung (Pendler, Schüler, Pensionisten, Familien) und daher ebenfalls kein Zuschuss für die ÖBB. In diesem Zusammenhang muss auch darauf hingewiesen werden, dass der vergleichbare "Zuschussbedarf" der Straßeninfrastruktur ungleich höher ist. Gar nicht zu reden von den enormen Folgekosten von kaputter Umwelt und den enormen Allgemeinkosten der Rehabilitation von Straßenverkehrsopfern. Gehälter und Pensionen sind in diesen 4,1 Mrd. Euro ebenfalls enthalten und werden wie für viele andere Staatsdiener klarerweise vom Staat getragen.
Walter Seifter
8833 Teufenbach
"Ohne Kaufkraft ist alles nichts"Josef Stargl stellt in seinem Leserbrief "Kein Weg vorbei am Stabilitätspakt" (8. März) die Frage: "Ist ein Mangel an Nachfrage die Ursache der Arbeitslosigkeit?"
Ich meine - ja, selbstverständlich, denn es fehlt die ausreichende volkswirtschaftliche Kaufkraft für Verbrauchsgüter und Dienstleistungen einerseits sowie nach Investitionsgütern andererseits. Erst wenn sich beide Nachfrageströme ergänzen, ist die Konjunktur gesichert.
Nur Vollbeschäftigung sichert ein hohes Lohnniveau, Massenkaufkraft, Kapitalrendite und ausgeglichene Staatshaushalte. Das sind die Merkmale allgemeiner Prosperität.
Ein Stabilitätspakt wird erst dann sinnvoll, wenn auch die Notenbank darin eingebunden ist. Sie hat die Aufgabe, den Geldwert stabil zu halten und die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes zu stimulieren. Geldhortung und Spekulation am Finanzmarkt sind die eigentlichen Ursachen der Wirtschaftskrise.
Niemandem ist gedient, wenn die Schaufenster überquellen und die Konsumenten hineinschauen. Kaufkraft ist nicht alles, aber ohne Kaufkraft ist alles nichts.
Harald Lorenzoni
9900 Tristach
Sternstunden trotz aller MängelMutig geht das Direktorium der Salzburger Festspiele ans Werk, ein Opernhaus mit Mängeln wegzureißen. Angstvoll fragt sich der Festspielbesucher, ob das geplante Massaker am Kleinen Festspielhaus wegen der bekannten optischen und akustischen Mängel nur der Beginn einer allgemeinen Zerstörung von Österreichs wichtigsten Theater- und Opernhäusern sein wird, die Mängel aufweisen. Fassen wir deren Tauglichkeit kritisch zusammen, dann hat bekanntermaßen die Staatsoper in Wien Plätze mit beschränkter Sicht, im Burgtheater wiederum hört man von mehreren Plätzen aus schlecht, das Große Festspielhaus in Salzburg hat nach Meinung vieler Regisseure nur den Nachteil, dass die Bühne aufgrund ihrer Größe schwer oder gar nicht bespielbar ist. In der Felsenreitschule ist die Sicht gut, die Akustik aber nicht zufrieden stellend. Alle diese Musentempel waren jedoch trotz ihrer Mängel Ort unvergesslicher künstlerischer Sternstunden.
Harald Hetzer
5026 Salzburg
Sieben Fragen an unsere BildungspolitikerErschütterung, Entsetzen und blanke Wut, anders kann ich meine Stimmung nach den Presseberichten der letzten Tage nicht beschreiben. Wozu ist in monatelanger Arbeit und in zahlreichen Gesprächsrunden die Oberstufenreform ausgearbeitet worden?
Wozu wurden Schulprofile und Stundentafeln erstellt sowie Lehrpläne formuliert, um die Vielfalt der Schulversuche in die Legalität überzuführen?
Wozu machen wir uns in den Konferenzzimmern der Schulen Gedanken über die Umsetzung der von unserer Bundesministerin erst Anfang Dezember 2002 unterschriebenen Verordnung, wenn nun mitten im Entscheidungsprozess der Schulgemeinschaftsausschüsse (SGA) substanzielle Änderungen angekündigt werden?
Wie soll die mühsam ausgearbeitete schul-autonome Schwerpunktsetzung ohne Abstriche vom Kernbereich und dem Ziel einer umfassenden Allgemeinbildung nun noch realisiert werden?
Wozu macht man sich im Vorfeld der Regierungsbildung Sorgen um die 2/3-Mehrheit bei Schulgesetzen, wenn eine einfache ministerielle Verordnung das Schulsystem in seinen Grundfesten erschüttern kann?
Wie soll in den nächsten Wochen eine Lehrfächerverteilung für das nächste Schuljahr erstellt werden, wenn die Stundenreduktion wie angekündigt mit 1. September 2003 durchzuführen ist?
Wozu die mühsamen Diskussionen um die Fünftage-Schule, wenn nun der schulfreie Samstag ohne Rücksicht auf die räumlichen und organisatorischen Möglichkeiten dekretiert wird?
Auch wenn nicht alle ÖVP-Verantwortlichen mit Blindheit geschlagen sind und die Notbremse gezogen wird, der angerichtete Schaden in unserem Bildungssystem und der Motivationsverlust bei den Lehrern wird schwer zu reparieren sein!
Mag. Anton Böhm
Chemie-Lehrer und Administrator
Schulstunden schon jetzt ein ProblemDer Vergleich der Jahres-Unterrichtsstunden mit Deutschland hinkt eindeutig, da in Deutschland bis zur Matura 13 Schuljahre vorgeschrieben sind, und daher logischerweise die Jahres-Stundenzahl deutlich geringer ist.
Weiters ist schon jetzt die Zahl der nicht gehaltenen und auch nicht supplierten Stunden ein großes Problem an vielen Schulen. Meiner Meinung nach hat jeder Betrieb die Verpflichtung, seinen Aufgaben nachzukommen, auch wenn Personal aus Krankheits- oder Fortbildungsgründen ausfällt. Im Schulbetrieb geschieht dies leider nicht, so dass Unterrichtstage, an denen nur eine Stunde regulärer Unterricht stattfindet, keine Seltenheit mehr sind. Die Zeit bis 12 Uhr ist dann zwar eine Lehrkraft in der Klasse anwesend, es wird aber nur im Ausnahmefall unterrichtet.
Häufig wird dann ferngesehen - leider meistens seichte Unterhaltungsfilme -, oder die Schüler sollen sich leise beschäftigen. Es kommt auch vor, dass wochen- und monatelang ein Unterrichtsgegenstand ersatzlos entfällt, wenn der Lehrer krank ist und dieser Gegenstand, z. B. Werken, am Nachmittag oder in der 5. und 6. Stunde eingeteilt ist.
Eine weitere Kürzung der Unterrichtsstunden halte ich daher weder für notwendig noch für sinnvoll. Viel wichtiger wäre es, die Personaleinteilung so vorzunehmen, dass die jetzt vorgesehenen Unterrichtseinheiten auch wirklich gehalten werden.
Eine zahlenmäßige Erfassung der nicht gehaltenen Unterrichtsstunden wird den überregionalen Elternverbänden seit langem vom Bundesministerium für Bildung versprochen. Wir warten mit Spannung auf das Ergebnis. Klar ist, dass es kostengünstiger ist, die Kinder nach Hause zu schicken, als Lehrern Überstunden für Fachsupplierungen zu bezahlen. Ich bin aber sicher, dass dieses Geld in die Unterrichtsqualität für die Jugend unseres Landes sehr sinnvoll eingesetzt wäre.
Unsere Kinder haben ein Recht auf Unterricht!
Dr. Karin Maurer
Elternvereinsobfrau
BG/ BRG Purkersdorf