Maxim Vengerov über seine Stradivari und sein Unicef-Engagement. Ein Gespräch.
Nicht einmal 30 ist er noch - und bereits einer der großen Musiker der Gegenwart: der 1974 in No wosibirsk geborene Geiger Maxim Vengerov. Im Mai und Juni ist der charismatische Virtuose in Wien, um im Musikverein und im Konzerthaus mit den Wiener Philharmonikern unter Christoph Eschenbach das Mendelssohn-Violinkonzert aufzuführen.
Maxim Vengerov, wie sind Sie zur Geige gekommen?
Meine Mutter war Direktorin einer Musikschule und leitete einen Chor in einem Waisenhaus. Dort habe ich als kleines Kind gesungen. Meine ersten Orchestererfahrungen habe ich durch meinen Vater. Er hat Oboe gespielt. Sehr oft saß ich in der ersten Reihe, hielt Ausschau nach ihm, konnte ihn aber kaum je finden - die Bläser sitzen ja weit hinten. Da dachte ich: Warum soll ich Oboe spielen, wenn man mich nicht sieht? Das Einzige, was ich immer gesehen habe, war die erste Violine. Und ich wollte eben, dass man mich beim Spielen sieht.
Welche Rolle spielt für einen Streicher das Instrument?
Für mich ist ein Instrument wie eine zweite Frau. Man hat gute und schlechte Zeiten. Das ist in Ordnung, solange man liebt. Ist das nicht mehr der Fall, dann muss man es verlassen. Deshalb habe auch ich Instrumente gewechselt. 1998 konnte ich eine fantastische Geige erwerben, eine Stradivari. Sie hat nicht nur ein eigenes Temperament, sie hat auch eine legendäre Geschichte: Sie gehörte Rodolphe Kreutzer. Allein der Gedanke, dass er auf diesem Instrument Beethovens Kreutzer-Sonate und dessen Violinkonzert gespielt hat, macht mich glücklich.
In Ihren Anfängen hat man Sie mit David Oistrach verglichen.
Oistrach war ein Vorbild. Als ich begonnen habe, hörte ich immer die Platten von Oistrach. Ich habe ihn übrigens noch gehört, als ich im Bauch meiner Mutter war: Oistrach kam zu einem Konzert nach Sibirien, das meine Mutter, als sie schwanger war, besuchte. Mit zehn hörte ich das Spiel von Jascha Heifetz, das hat mein Leben total verändert: diese Intensität im Ton, dieses schnelle Vibrato, diese Aggressivität! Nicht zu vergessen: Fritz Kreisler mit seiner Sensibilität, seiner Phrasierung, seinem Charme.
Ihr Leben dreht sich nicht nur um Musik, Sie sind auch Unicef-Botschafter. Was machen Sie in dieser Funktion?
Mir geht es darum, Menschen, Kinder zu treffen. Wir machen gemeinsam Musik. Es ist unglaublich, wie Kinder auf Musik reagieren. Als ich in Serbien war, gab es da ein großes Haus mit zwei Schulen. Es war in zwei Farben angemalt: eine Hälfte gelb, die andere weiß. In der gelben Hälfte serbische Kinder, in der weißen albanische. Die Kinder durften nicht zusammenkommen. Ich habe für beide Schulen dieselbe Musik gespielt, die Reaktionen waren gleich fantastisch - wenn ein solches gleiches Verständnis für die Musik besteht, warum kann man darauf nicht aufbauen? [*]