Tv-Kritik: Käsekrainer, Tofu und andere Liebeserklärungen

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ie Liebe geht durch den Magen. Die Käsekrainer auch. Aber wäh rend die eine irgendwo hinter dem Nabel weiche Wogen wohliger Wärme erzeugt, drückt die andere auf ihrer Wanderschaft durch das Verdauungssystem den Cholesterinspiegel in die Höhe - nicht ohne vorher eklige Flecken auf Hemd und Krawatte zu hinterlassen. Zumindest beim Herrn Direktor, von seiner Frau liebevoll "Poldi" gerufen und seit einem Zusammenbruch im Restaurant auf ärztliche Anweisung - offiziell - Würstelstand-abstinent. Rund um das Liebesleben eines Langzeit-Ehepaares spann Xaver Schwarzenberger in "Dinner for Two" (ORF2) eine charmante Satire auf Alltags-Trott und Schnitzel-Idylle.

Die Ausgangssituation: so banal wie alltäglich. Er arbeitet zu viel, isst zu fett und lässt sich von einer anderen umgarnen. Sie hat das Warten satt und startet in die Selbstverwirklichung. Und was kommt dabei in einer Komödie heraus? Selbsterkenntnis samt ehelicher Genesung. Auf dem Weg dorthin grunzte, schmatzte und schnarchte sich Erwin Steinhauer als Ehemann durch die emotionalen Höhen und Tiefen seiner Gattin (Marianne Mendt). Diese ergriff die Flucht in fremde Küchen (als Miet-Köchin), traf aalglatte Mädchen-Verführer (Alfons Haider) und laszive Transsexuelle (einfühlsam komisch: Karl Markovics), um zu erleben, dass der, den sie daheim hat, vielleicht verbesserungswürdig ist - dass es aber doch keinen Besseren für sie gibt.

Manchmal helfen lange Gespräche am Küchentisch: "Gibt es eigentlich noch etwas zwischen uns?" - "Du meinst: außer Tofu?". Mitunter erleichtert auch ein freimütiges Geständnis das Weiterleben ungemein: "Ich habe seit Wochen Leberkäse gegessen." Da hat eine Nebenbuhlerin mit Vorliebe für Sushi keine Chance. Der Cholesterinspiegel auch nicht.

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