AM ASPHALT IST MEHR LOS ALS NUR DER BÄRD
ieser "Report"-Beitrag vom Dienstag wird nicht nur Motoren zum Kochen gebracht haben: Da wurde Österreich als "Land der Bruchpiloten" desavouiert. Also wirklich! Wo man(n) doch hierzulande so toll autofahren kann - oder? Und da kommen diese Herrschaften Redakteure daher und fabulieren, dass es der Regelverletzungen zu viel und der Kontrollen zu wenig gebe, dass man 150 Tote im Jahr vermeiden könnte und dass es so etwas gibt wie defensive Fahrweise. Defensiv! Das Wort allein führt bei Asphalt-Cowboys und ihren Yuppie-Pendants in der Métallisé-Karosse zu allergischen Reaktionen. Und die sind auch gesundheitsgefährdend.
Skandalös? Alles andere als. Hier geht es um den allgemeinen Gesundheitszustand - physisch wie psychisch. Denn die Verkehrssicherheit beginnt im Kopf (und der ist nicht selten testosterongesteuert). Das war der Versuch, sogenannte Kavaliere vor dem Delikt wach zu rütteln - und zwar ohne die oft strapazierten Horror-Bilder von Blut und Blechsalat.
Ob die Botschaft auch angekommen ist, darf bezweifelt werden. Denn erstens muss man erst mal fühlen, wie es ist, die Herrschaft über sein Fahrzeug zu verlieren (der Bericht eines Teilnehmers an einem der lehrreichen Schleuderkurse ist da zu wenig). Und zweitens sind Raser ja überzeugt, dass ihnen nichts passieren kann. Oder, wie ein Taxilenker die Autofahrerseele umschrieb: Viele leiden am Dr.-Jekyll-&-Mr.-Hyde-Syndrom - "außerhalb des Autos lauter nette Menschen, aber am Kampfgerät werden sie vom Gentleman zum Berserker". Und denen ist mit Vernunft bekanntlich schwer beizukommen. Einen Versuch war's trotzdem wert.