MADONNA, DIE ÖSTERREICH-SPEZIALISTINE
chte Stars lassen gern auf sich warten, sonst wären sie's ja nicht. So geschah es auch Samstag Nacht, wo man auf RTL mit fünfzehn Minuten Verspätung "Absolut Madonna" beginnen liess - kein Werbeblock eines finnischen Rachendesinfizierers, sondern eine "Event-Show" rund um die Pop-Göttin, deren neues Album wohl nach Medienhype verlangt. Sonst hätte sich die Stil-Ikone wohl kaum diesen Niederungen ausgesetzt.
Aber noch hieß es weiter warten, denn bis zum angekündigten Madonna-Interview musste erst die Zeit, etwa eine volle Stunde, irgendwie gefüllt werden. Irgendwie könnte allerdings auch originell sein. Man entschied sich lieber, ein paar deutschen Kommerz-Sternchen (Sende-)Platz zu geben, und ihre Mündchen plapperten so grotten-banale Dinge wie: Madonna ist Madonna weil sie eben so einzigartig ist. Moderator Oliver Geissen schien erleichtert, eine intellektuelle Kastration konnte er also ausschließen. Denn außer der stupiden Wiederholung der Phrasen "Trendsetterin, 150 Millionen Platten, seit 20 Jahren am Pop-Thron", hatte selbst er nichts zu bieten. Doch die meiste Zeit sah man sowieso Bilder - eine Endlosschleife immer gleicher Video-Ausschnitte. Es war zum Heulen.
Endlich erschien die Besprochene wirklich, sang drei Lieder, parlierte charmant im Interview und riss spontan die Herzen der österreichischen Zuseher an sich: Denn der einzige Fan im Kölner Fernsehstudio, der Madonnas Aufmerksamkeit erregte, war ausgerechnet ein Wiener! "Isn't there a difference between Germany and Austria?" fragte sich die Lady amüsiert. Der ORF sollte sich schleunigst Madonnas Telefonnummer besorgen.