Hol's der Geier, mag man sich denken, wenn man so durch die Programme zappt. Nicht selten, dass sich einen ganzen Abend nichts findet, was man sich anschauen mag. Was ja nicht schlecht ist, weil man sich dann anderen Tieren widmen kann - der Hausmaus etwa (oberstes Ziel urbaner Sauberfrauen und -männer ist, ihr den Garaus zu machen) oder den Spatzen vom Dach (die im Telefontratsch und in anderen persönlichen Gesprächen Nahrung finden). Dienstag freilich musste niemand verzweifelt nach dem Wischmopp angeln oder zum Hörer greifen. Dienstag wurden die Zuschauer wieder einmal charmant umgarnt, freundlich belehrt und schmerzfrei von Vorurteilen befreit: Helmut Pechlaner, Zoo-Direktor, Selbstdarsteller, Tier- und Menschenfreund, erklärte in "Universum" einen schönen Teil der Welt - die Greifvögel.
Diesen Mann soll bitte, bitte nicht der Geier holen. Von den "Confetti-News" bis ins Hauptabendprogramm ist er präsent und versucht, Verständnis für alles zu wecken, was da so kreucht und fleucht. Der Geier etwa. Ein nicht gerade mit freundlichen Assoziationen behaftetes Tier, das doch eigentlich besser ist als sein Ruf. Wir haben das zwar längst geahnt. Oft gehört. Aber nie so unpathetisch vermittelt bekommen.
Pechlaner heftet sich an die leisen Sohlen jener Begeisterten, die ihr Leben den Tieren widmen. Die Freude steckt an. Man muss ja nicht gleich Geier-Eier brüten oder das eigene Haarbleichmittel für den guten Zweck (Markierung der Vögel) zur Verfügung stellen wollen. Es reicht, wenn man sich freut, dass in den Alpen Geier brüten, die schon verschwunden waren. Auch wenn wir beim nächsten Spaziergang wieder keine Ahnung haben werden, was da seine Kreise zieht - wir wissen wenigstens, es könnte ein Bartgeier sein.