P
anem et circensis. Brot und Spiele für das Volk. Hat sich an diesem Grundbedürfnis seit der Zeit der Römer viel geändert? Heute müss te es wohl heißen: Kartoffelchips und Fernsehen für die Massen (und außerdem ist der Comfort der Chaiselongue nicht mehr nur den hohen Herrschaften vorbehalten). Damals wie heute aber gilt: Hauptsache, der Bauch ist zufrieden und das Unterhaltungsbedürfnis gestillt. Am Abend des Nationalfeiertags gefiel sich der ORF wieder gut in der Rolle des Monumental-Unterhalters - und ließ das Fernsehvolk um Wohl und Wehe eines feschen germanischen Gladiators zittern.
Telegen gestählte Muskeln korrespondierten mit geölter Haut und gelgeschniegelten italienischen Locken. Viel Schweiß, ein wenig Blut - und viel, viel Herzeleid. Ein eiskalter Beobachter, wessen Auge dabei trocken bleiben konnte . . .
Der fesche "Held der Gladiatoren", Germanus, besiegte mit dem Mut der Geschwisterliebe und Verzweiflung den dumpfen Hünen Lagos (Dierk Prawdzik). Dessen Qualifikation für die Rolle: ein imposanter Stiernacken, Oberschenkel, die einem Rennpferd zur Ehre gereichen würden, und ein gekonnt entleerter Blick, als ihm die Angebetete (Schwester des Germanus) ins Gesicht spuckte.
Mit dabei: Marion Mitterhammer als lasziv-intrigante Statthalters-Gattin und Erwin Steinhauer, diesmal als faul-gelangweiltes Ekel in der Toga irgendwie fehlbesetzt. Zwischendurch fühlte man sich - musikalisch nicht zum römischen Ambiente passend - an James Last erinnert ("He is free, free like the wind. He is free and he will win" - dumdideldei). Der Held kam mit dem Leben davon. Der erhobene Daumen hat entschieden.
Ein Glück eigentlich, dass heute der Daumen des Volkes nur über Quoten, nicht aber über Kopf und Kragen entscheidet.