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s begann mit einem veritablen Schock. Wenn Sie Daniel Küblböck, Deutschlands androgynen Superstar-Witz kennen, muss Sie der Freitagabend vor dem Fernseher mit einem Schlag aus dem Weihnachtstaumel gerissen haben. "Wir haben ihn geklont!", verkündete Zirkusdirektor Frank Elstner zu Beginn von "Stars in der Manege". Und wirklich: Gleich fünf Mal erschien das grelle Piepsstimmchen unter der Kuppel des Münchner Zirkus Krone - einmal leibhaftig, vier Mal als Marionette. Entsetzlich!
Wenn Sie Daniel Küblböck nicht kannten - auch kein Problem, Sie werden den peinlich entlarvenden Auftritt wieder verdrängen. Schwer verdrängen lässt sich dagegen die inflationäre weihnachtliche TV-Wohltätigkeit. Warum musste das Schmalz-triefende "Weihnachten auf Gut Aiderbichl" und die renommierte "Licht ins Dunkel"-Show vom 24. Dezember am Freitag noch unbedingt mit der Übertragung der deutschen Benefiz-Show "Stars in der Manege" vervielfacht werden?
Vielleicht um zwischen Verona Feldbusch, einer hierzulande unbekannten Nachrichtensprecherin und einer ebenso unbekannten Schauspielerin zwei Österreicher glänzen zu sehen. DJ Ötzi bewies komödiantisches Talent als Clown und, oh Wunder, Hubert von Goisern erprobte sich als wagemutiger Akrobat im "Todesrad".
Überhaupt gestaltete sich der Freitag als seltsam unmotivierte TV-Wiederauferstehung des immer so sympathisch wirkenden Volxmusikers. Nach seinem Auftritt in der Münchner Manege war der Goiserer noch Mittelpunkt der vom Bayerischen Rundfunk gedrehten vierteiligen Serie "Alpenrock", die der ORF netter Weise zu Mitternacht ausstrahlt - während unsere erfolgreichsten Aushängeschilder von Ötzi bis Goisern in Deutschland das Desinteresse ihrer Heimat überwintern müssen.