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eim Boskashi, einem afghanischen Reiterspiel, wird um ein ge köpftes Kalb gekämpft, alle zerren daran. Das sieht für uns exo tisch aus, aber wenn Afghanen in Gegenrichtung blicken, reiben sie sich die Augen: Auf Alpenpässen strampeln sich Stahlrossreiter die Lunge aus dem Hals. Blicken beide nach Israel, sehen sie einen noch tolleren Kampfsport, bei dem man eine ganze Atombombenfabrik verschwinden lässt.
"Wer gewinnen will, muss listig sein und mit der Reitpeitsche auch in Gesichter fahren", erklärt der Sprecher. Aber heißt das Spiel überhaupt Bokashi? Es ging alles zu rasch am Mittwoch abend bei Arte in einer Dokumentation über Rachid Dostom, den Warlord, der 30 Jahre lang in Afghanistan mit jedem und gegen jeden gekämpft hat und nun als stellvertretender Verteidigungsminister Frieden stiften will. Man sieht Facetten, einen Biedermann, einen Totschläger; das Bild rundet sich nicht, eine halbe Stunde ist zu knapp für diese Figur und dieses Land. Dafür nahm Arte sich anschließend Zeit, eineinhalb Stunden für Fausto Coppi, einen legendären Radrennfahrer. Aber erst tritt Mussolini auf, später Toscanini, Päpste und Präsidenten, allesamt haben sie mit Coppi nichts zu tun: Da hat einer in die Archive gegriffen und herausgeholt, was sich unter "Italien, 1920-1960" findet: Man kann eine Dokumentation in Belanglosigkeit ertränken.
Dann wurde es spannend, noch ein Kampf, ein Ritt auf dem Tiger: Das ORF-Weltjournal zeigte die BBC-Dokumentation über Mordechai Vanunu, den Mann, der 1986 ausplauderte, dass Israel die Bombe hat - und wie es die Fabrik versteckte: Sie liegt unter einem Reaktor, und als US-Inspektoren kamen, hat man die Kellertüren zugemauert und tapeziert. Vanunu erhielt 16 Jahre Haft. Diese Dokumentation traf: Israel hat alle Beziehungen zur BBC abgebrochen.