Babyblau trifft OP-Grün

BALD FERNSEHEN AUS DEM GEBURTSKANAL?A
lso ich kenne ja nicht wenige junge Frauen, die sich ob der Qualen des Gebärens lieber für die Karriere entschieden haben. Und falls die eine oder andere, die noch darüber grübelt, am Montag auf Vox "Hallo Baby!" geschaut hat, dann ist die Schar derer, die's lieber bleiben lassen, vermutlich gewachsen. Ich kann es keiner verdenken: Einer schwitzenden, bei jeder Wehe gequält japsenden Frau dabei zuzusehen, wie sie ein blau-grau gefärbtes, verschmiertes Kind aus ihrem Leib presst, ist ja nicht gerade das, was man so landläufig unter einem Vergnügen versteht.

Heute ist das Fernsehen wie selbstverständlich mit dabei. Unverschämt. Ungerührt. Distanzlos. Der erste Schrei, die Freudentränen (oft sind es wohl eher Endlich-ist-das-alles-überstanden-Tränen), die erste Windel - tausende Vox-Seher schauten zu. Und selbst wenn die Großeltern "den besonderen Moment nicht länger stören" wollten, die Zuschauer durften bleiben.

Stellt sich die Frage, was denn das eben aus dem wohlig warmen Fruchtwasser-Universum verstoßene Menschlein in seinem späteren Leben so alles zu sehen bekommen wird. Wenn's, wie der kleine Magnum, per Kaiserschnitt zur Welt gebracht wurde, ist es ja von der ersten Sekunde an einiges gewöhnt - und denkt vielleicht, Menschen sind grün wie OP-Kittel und haben statt eines Mundes ein weißes Stoff-Quadrat im Gesicht.

Da die Vordenker der TV-Sender stets nach unverbrauchtem Material suchen, gibt's vielleicht irgendwann den Live-Einstieg aus dem Geburtskanal. Eine entsprechende Spezialkamera wird sich finden. Und so etwas wie Hemmungen oder Genierer gibt's ja jetzt schon nicht mehr.

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