Flach gelegt

BEL AMI - SCHÖNER, LANGWEILIGER FREUNDB
el Ami. Was für ein hüb scher Name. Was für ein koketter Typ. Was für eine aufregende Story! Aufregend? Nicht in der Version, die der ORF Dienstag Abend zeigte. Hardy Krüger junior hat sich redlich bemüht. Er hat das süffisante zweideutige Grinsen perfektioniert, das ein Frauenverführer dieses Kalibers nach Ansicht diverser Interpreten offenbar dringend braucht, um die Damenwelt reihenweise flach zu legen. Doch es zeigte sich: Ein hübsches Gesicht macht, auch wenn die Mundwinkel beim Anblick jedes Rocksaums leise zucken, noch kein Charisma. Und der überfallsartige Konsum körperlicher Freuden bringt per se weder Erotik noch Spannung. Guy de Maupassants Roman ließe sich mitreißender interpretieren.

Regisseur Massimo Spano wollte einfach zu viel. Er wollte einen Schmachtfetzen - dafür geriet aber die Darstellung der Beziehungsmuster und Begierden allerdings zu kurz. Die Erotik knisterte, wenn überhaupt, auf Sparflamme. Und der Ursprung des ach so überwältigenden Verlangens war teils schlicht und einfach nicht auszumachen.

Gleichzeitig handelte es sich um eine Art Büro-Krimi: Mobbing, Betrug, Ideenklau. Aber nur fragmentarisch, weil bloß zur Illustration der Machtgier, die Bel Ami vom Vater in die Wiege gelegt worden war. Ein weiteres Nebenthema: Wie Männer es schaffen, dank der Hilfe intelligenter, aber schüchterner Frauen Karriere zu machen, während die Helferinnen auf der Strecke bleiben. Dass Bel Ami letztlich über die Intrige einer ebenbürtigen Schlange stolperte, ändert daran nichts.

Zu viel parallel erzählt, zu wenig Spannung. Bel Ami ist es gelungen, uns flach zu legen. In friedlichem Schlummer.

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