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in schwieriger Architekt, ein schwieriger Bau, eine schwierige Wür digung. Raimund Abraham, ins Schussfeuer geratener Erbauer des Österreichischen Kulturforums in New York, feiert kommenden Mittwoch seinen 70. Geburtstag. Der ORF widmete dem kontroversiellen Osttiroler, seit letztem Jahr US-Staatsbürger, am Sonntag Vormittag ein halbstündiges Porträt.
Wie kritisch darf eine solche Würdigung sein? Sollte hier Aktualität oder Retrospektive im Vordergrund stehen? Geschickt lavierte sich die Gestalterin des Beitrags, Doris Fercher, durch die in Österreich doch ziemlich emotional besetzte Baugeschichte. Roter Faden war ein versöhnliches Interview mit Abraham, der Probleme und Mängel am schmalen Hochhaus abgeklärt Revue passieren ließ. Investigative Nachbohrungen wurden dezent unterlassen. Soll sein, ein Geburtstag will, wenn schon, würdig begangen sein. Ein nobler Zug des ORF, der sich mehr auf das internationale Umfeld des seit 40 Jahren in New York lebenden und unterrichtenden Architekten konzentrierte, als auf die österreichischen Querelen einzugehen.
Ein solides, persönliches Porträt war die Folge, dem ein wenig der Pfeffer fehlte. Interessant war die Vorstellung von anderen Abraham-Bauten: der eine in seiner Heimatstadt Lienz, die anderen in Graz und Wien. Ein Haus in Mexiko und ein Zubau in New York sind in Planung.
Seit Baubeginn hat Fercher das Kulturforum mit der Kamera begleitet. Schlusspunkt der Aufnahmen für diese Dokumentation scheint die Eröffnung 2002 gewesen zu sein. In einer aktuellen Sendung irritieren aber die Bilder des noch nicht einmal bezogenen Gebäudes. Wäre es nach zwei Jahren nicht eine erneute New-York-Reise wert gewesen, um zu zeigen, wie sich das Kulturforum im täglichen Betrieb bewährt?