So zutraulich und dumm sind Hias und Sepp nicht

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ontag abend sollte ein Raunen durch die Reihen der Volksmusi kanten gegangen sein. Ein energisches Kopfschütteln hinter den Hammond-Orgeln vielleicht. Oder ein missmutiger Seufzer aus lodenverhangener Brust. Nein, so sollten auch die Biertisch-Schunkler in die Welt posaunt haben: Nein, so sind sie nicht. Der Hias, der Sepp, der Hansi und wie sie alle heißen, die die Festzelte füllen und die Herzen zum Überlaufen bringen. Die sind nicht so naiv wie dieser Stefan, der Volksmusik-Star aus der Montag-Episode von "Weißblaue Geschichten" (ORF2).

Zutraulich und dumm (und in der Darstellung zu künstlich und outriert) stolpert dieser bereitwillig in die ausgelegte Mädchen-Falle eines Möchtegern-Paparazzo. Eine als ländliche Femme fatale verkleidete Großstadt-Blondine lockt den unschuldig der Untreue bezichtigten Familienvater vor die versteckte Kamera - und aus der Reserve. Freilich nur, was seinen brach liegenden Beschützerinstinkt anlangt. Er nimmt das zierliche Fräulein im kurzen Seiden-Dirndl unter seine Fittiche, zeigt ihr die Landschaft seiner Bergheimat und wie man Blasen kriegt an den Füßen. Kein Kuss. Kein Küsschen. Nicht einmal eine Streicheleinheit. Da ist es wohl nur zu gerecht, dass sich das eheliche Missverständnis aufklärt. Dass sich die Eifersucht der Ehefrau blitzartig mittels Dackelblick kurieren lässt, hat zwar mit der Realität des Beziehungskistenwesens wenig zu tun, passt aber haargenau ins unrealistische Gesamtbild der gekünstelten Land-Idylle. Oder glaubt einer, dass Stars, die mit einem falschen Stern an ihrer Seite in die Klatschspalten geraten, bloß platonische Triebe ausleben?

Aber mit der Realität braucht so ein Fernsehfilmchen ja nichts zu tun haben. Die findet man ohnehin gleich neben der Fernbedienung.

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