Es ist 5:35 Uhr. Die astrologischen Anmerkungen zum Tag sind schon gelaufen. Seit fünf Minuten ist das Sat1-"Frühstücksfernse hen" auf Sendung, und ich habe die Chance verpasst, von den Sternen zu erfahren, ob ich mich heute am Bürotratsch beteiligen, ob ich meinen genügsamen Kaktus gießen, den Chef herausfordern oder mich doch lieber unter der Bettdecke verkriechen und auf morgen warten sollte. Doch noch ehe mir das so richtig leid tun kann, geht die Chose auch schon weiter. Mit flotter Kurzweil, die sich aus einer Mischung von frischem Humor und trockener Information nährt, wird da der Schlaf aus den Augenwinkeln - und bei Singles wohl auch die morgendliche Einsamkeit - vertrieben.
Das TV-Frühstück, das Sat1 seinen Sehern täglich serviert, ist ausgewogen und vielseitig (oder war das meine Müsli-Mischung?): Seriös und ernst vorgetragene Kurznachrichten, eine relativ ausführliche Zusammenfassung der Champions-League-Spiele vom Vortag, der neueste Tratsch aus der Pop-Branche, ein erschütternder Bericht vom Aachener Kindermörder-Prozess, eine Filmkritik zum neuen "Matrix"-Film und natürlich alles über die aktuelle Wetterlage.
Der Mix ist gelungen. Nicht zu süßlich, nicht zu sauer, jedenfalls nicht fad. Der telegene Geschmacksnerv wird nicht beleidigt. Man fühlt sich trotz der Kürze der Mitteilungen durchaus informiert. Für den frühen Morgen reicht's - die tiefer gehenden Details kann ja jeder seinem Leib- und Magen-Blatt entnehmen.
Am rechten unteren Bildrand lauert eine Uhr, die unerbittlich und unermüdlich die Sekunden zählt. Sie gibt einem unaufdringlich den genauen Takt vor: jetzt Kaffee, jetzt Kipferl, jetzt Schul-Jausen richten, jetzt Zähne putzen. Zehn, neun, acht, sieben . . .