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s gibt Leute, die behaupten, der beste Freund des Menschen sei der Hund. Und das, obwohl die Vierbeiner die unangenehme Eigen schaft haben, ihre trümmerl-förmige Hinterlassenschaft auf Gehsteige und urbane Wiesen zu pflanzen, nur um das Ausgeschiedene in Form von teurem Dosenfutter wieder einzufordern. Manche glauben, der beste Freund des Menschen sei der Fernseher: Der sondert zwar mitunter auch Kot ab, hat aber für jeden Gemütszustand ein passendes Programm, kann auf Wunsch zum Schweigen gebracht werden und bedarf keiner Zuwendung.
Will man sich abreagieren, hilft Action mit Leuten wie Arnie; gegen Ratlosigkeit am Herd nützt der Fernseh-Koch; zwei linke Hände beruhigen sich am besten vor "Hör mal, wer da hämmert!" und Rosamunde Pilcher leert regelmäßig den Tränensack. Manchmal kann man sich auch an den - wenn auch kantigen - Schultern des Geräts anlehnen und sich allumfassend in seinen Sorgen und Nöten verstanden fühlen. Etwa, wenn Barbara Stöckl in "help TV" auftritt, um die Menschheit (Mittwoch war's zum 100. Mal) im allgemeinen, ihr Fernsehpublikum im speziellen und besondere Härtefälle im einzelnen zu kurieren.
Einer Art elektronischen Wanderpredigerin gleich, zieht Stöckl durch die Wohnzimmer, um uns zu lehren, was wir tun und was besser lassen sollen, wo wir helfen können und dass (in Anbetracht verzweifelter Studiogäste) alles halb so wild ist. Mittwoch raubte sie dem Publikum erst die Illusion, ein Blutdruck von 100 plus Lebensalter sei in Ordnung, um es sogleich mit Horror-Meldungen von vorsorglich amputierten Brüsten (wegen zu hoher Krebsgefahr) vor der Gefahr aufkeimender Hypochondrie zu bewahren. Womit das Fernsehen an diesem Abend das Rennen gegen den Hund eindeutig gewonnen hat.