Tv-Kritik: Was mach ich jetzt um 23.15 Uhr?

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as mache ich jetzt um 23.15 Uhr?", fragte Klaus Kleber und schaute Harald Schmidt mit bangen Augen an. Vielleicht mit Harald Schmidt darüber plaudern, wie das war, als man noch direkt vom Moderatoren-Sessel des ZDF-"heute-journal" auf die Couch sprang, um Harald Schmidt zu lauschen und den Tag leicht und vergnügt ausklingen zu lassen? Denn damit ist es aus und vorbei. Filmriss für "Arrrald, dän lätzten Moikanäärr" von Sat 1. Künftig sollen andere an seiner Stelle blödeln. Bald werden neue Gesichter dafür sorgen, dass das Werbeumfeld zur späteren Stunde stimmt und der Zuschauer auch bei drei lähmend langen Werbeunterbrechungen nicht das kuschelige Schlafgemach den Sat 1-Schmähbrüdern vorzieht.

Ob die Gags dann auch so spitz und hintergründig sein werden, wie man es vom paradeintellektuellen Häuptling des deutschen Humors gewöhnt ist? Der schreckt ja vor nichts und niemand zurück - nicht vor der Imposanz einer Dolly Buster, nicht vor der Größe japanischer Fußballer. Wer wird uns künftig erklären, was ein Metrosexueller ist: "Ein heterosexueller Mann, der sich mehr duscht als notwendig ist." Ganz zu schweigen von der Veranschaulichung des Begriffs "Vermittlungsausschuss": Schmidt ergriff am Montag einen Baseball-Schläger und schmetterte Reformvorschläge schwungvoll ab. Peng! Die auf Christbaumkugeln aufgedruckten Regierungsvorschläge barsten.

Nicht, dass so etwas nicht auch anderen einfallen könnte. Und schließlich muss man in einer Schmidt-Show oft auch einiges Unerträgliche überstehen, bis man mit einer fetten Pointe belohnt wird. Aber Harald ist eben Arrrald. Wer ihn liebt, wird ihn vermissen. Er selbst spricht von einer "kreativen Pause". Das lässt darauf hoffen, dass er nicht vor hat, schmähstad zu werden . . .

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