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eute ist es soweit. Wien ist wirklich Vor ort der Provinz geworden, wie es grün blaue Plakate einer einjährigen Kulturhauptstadt heuer so charmant verkünden. Jedenfalls für einen Tag. Denn das Kulturvolk blickt neidisch in die Bundesländer. Graz beginnt heute seine endgültige Selbstbespiegelung und Salzburg beendet sie. Zwei Termine, für die sich ein Tag österreichischer Jetset (ÖBB-Ticket, Speisewagen) auszahlt. Um 18 Uhr 30 werden die viereinhalb Meter hohen, Panorama-Spiegelflächen am Grazer Mariahilferplatz enthüllt. Bei Regen wird sicherheitshalber um 21,5 Stunden verschoben. Bis 31. Oktober soll sich hier Realität - was immer das auch ist - und Reflexion zum surrealen Raumerlebnis verschränken.
Kurzfristig enthüllt wird heute auch wieder Gelatins "Arc de Triomphe". Ohne Abbau des Holzverschlages kann die Skulptur ja auch schwer wieder vom Max-Reinhardt-Platz entfernt werden. Und das soll heute um 10 Uhr mit Feuerwehr und Tieflader passieren. Stadt und Land haben der Kunst eine Deadline gesetzt und die sensiblen Gelatin-Sensoren ungehörig gestutzt. Dabei ist der Plastilinbogen eine, eben ziemlich sinnliche, Umsetzung Salzburger Traditionen: Groteske Wasserspiele (Hellbrunn) und mobile Triumphbögen, wie sie hier in der Barockzeit die Plätze schmückten. Und die Sportsocken und das Turnleiberl der Figur erinnern an Salzburgs gerade versäumten Triumph, nämlich Olympiastadt zu werden. Glück im Unglück für Wien, das durch den Abtransport vom "schönsten Vorort" immerhin wieder zum schönsten Kunstlager wird.
Genug von offizieller Kultur in Salzburg? Dann drängt sich das Off-Festival "Hybrid" auf, das neben den Festspielen noch bis 3. August in der Berchtold-Villa (Josef-Preis-Allee 12) läuft. Österreich-Premiere feiert hier heute, 20h30, das Zitatpop-Stück "Keiner weiß mehr 2 oder Martin Kippenberg ist nicht tot" des einst jungen deutschen Wilden Fritz Kater. Regie führt der wirklich junge, weil 27jährige Philipp Preuss. Die Erregung kann kein Ende nehmen.