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ls ich am Wochenende in meinen nagel neuen Leder-Stiefeletten über die Schwelle des Beichtstuhls in die grelle steirische Sonne stolperte, war es mir wieder einmal glasklar: Wo sonst als hier hätte der Masochismus ausformuliert werden können? Ein Blick ins Kirchenschiff zu Kreuz und Kerzen - und ich zweifelte, ob gerade Ostern der beste Zeitpunkt gewesen war, sich endlich die "Venus im Pelz" (1896, Neuauflage im Insel-Verlag) vorzuknöpfen. Doch die Zeit war knapp, denn am Freitag beginnt in der Neuen Galerie in Graz das Leopold-von-Sacher-Masoch-Festival "Phantom der Lust". Für die Kunstkritikerin heißt das also sklavische Vorbereitung und demütige Einstimmung.
Dazu biedert sich Elfriede Jelineks Monolog "Körper und Frau" geradezu an. Von heute, Dienstag, bis Samstag trifft man spätnachts, um 22 Uhr 30, im strengen Foyer des Wiener Konzerthauses das in roter Samtrobe thronende Unterwäsche-Model Claudia - Lustobjekt, Göttin, Vamp. Ein Gastspiel des Grazer Forum Stadtpark Theaters, das die Erwartungen heuer schon in Frankfurt nicht enttäuscht hat (Karten unter: 01/587 05 04).
Auf der Suche nach den passenden Accessoires zur Venus für den Hausgebrauch könnte es eine, die sich den Kürschner nicht leisten will, in den neuen "Design Space" im Museum für Angewandte Kunst verschlagen. Für einen anbetungswürdigen Auftritt ist hier heute ebenfalls gesorgt, der schicke "Supermarkt" wird nämlich um 20 Uhr eröffnet. Dargeboten werden handgemachte "Luststiller" einer Gruppe junger Schweizer Künstlerinnen, von "plastic susis" über einen "Weiblichen Orgasmus" bis zum grenzgenialen "instant set" für einen neuen Partner: Mischung "in heißes Wasser geben, aufkochen, umrühren, fünf Minuten stehen lassen und ihr Traum wird wahr", so jedenfalls der Bestellkatalog von "Mickry 3". Ein Angebot, von dem der alte Sacher-Masoch wohl sein Leben lang geträumt hat. Schmerzhaft und unerfüllt. Aber das hat sein Leben wohl erst so richtig schön gemacht . . .