Was wir Frauen uns wirklich wünschen

Meine Freundin Mela nie ist entzückt. "Schau dir den an!" Sie zeigt auf ein zehn Meter hohes Plakat, das an der Fassade eines Kaufhauses hängt. Was man darauf sieht? Einen Mann. Genau genommen: Einen nackten Hintern und ein Stück Rücken, eindeutig männlich. Die Haut: bronzen schimmernd. Die Pobacken: zwei Muskelstränge. Der Rücken: Naja, wie ein männlicher Rücken halt sein sollte. Irgendwie trapezförmig sich nach unten hin verjüngend. "Und?", meint Melanie. "Gib doch zu: Der sieht zum Draufklatschen aus."

Kennen Sie den Spruch, wonach Frauen deshalb hübscher sein müssen als klug, weil Männer besser sehen können als denken? Also: Nicht mehr lange, und wir haben gleichgezogen.

Ich rede da keineswegs nur von appetitlichen Adams, die für Deos werben. Werfen Sie doch einmal einen Blick auf eine dieser Listen   la Sexiest-man-alive oder Mit-welchem-Prominenten-würden-Sie-gerne-ein-candlelight-dinner-genießen". Natürlich finden sich da immer noch Namen wie Tony Blair oder Gerhard Schröder. Aber erstens wollen den die meisten Wählerinnen vermutlich lieber verhexen als becircen. Und zweitens: Mehr als schnöde Macht zählt mittlerweile allemal ein hübsches Gsichterl, kombiniert mit einem netten Po. Erfolgreich sind wir schließlich selber!

Und darum tapeziert meine fesche Kollegin ihren Arbeitsplatz nicht mit Photos irgendwelcher Industriekapitäne - sondern sie hat ein Poster von Markus Schenkenberg angepickt: Sein bestes Stück wird da nur von einer Schreibmaschine verdeckt! Wenn meine Freundin Barbara und ich zusammensitzen, dann schwärmen wir nicht vom Esprit heimischer Politiker, sondern hecheln die körperlichen Vorzüge von Russell Crowe (ich mag es etwas stämmiger) und Johnny Depp (meine Freundin bevorzugt den Latino-Typ) durch. Und Melanie hat überhaupt eine Art, über Männer zu sprechen, die dem sprichwörtlichen Sexismus eines durchschnittlichen Bauarbeiters in nichts nachsteht. Nur mit dem Pfeifen happert's.

Andererseits: Die Kollegin mit dem Schenkenberg-Poster, die war lange mit einem Kerl liiert, der mit 30 Halbglatze trug. Barbaras Liebster ist dem Albino näher als dem Latino. Und mein Mann - also nichts gegen meinen Mann, aber wenn der weiter so nascht . . .

Nur Melanie - 1,70, blond, 55 Kilo und diese dort, wo Mann sie sich hinwünscht - die hat tatsächlich einen Schönling zu Hause. Mit Waschbrettbauch! Und einem besonders definierten - so heißt das doch? - Trizeps.

Werte Herren, die Schonfrist ist vorbei: Ab ins nächste Fitnesscenter!

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