Diesmal kein Herrenwitz

Kinder kosten. Wenn man gut verdient, sind sie teuer, wenn man schlecht verdient, fast unbezahlbar.

Na endlich. Die "männerpolitische Grundsatzabteilung" lässt von sich hören. Zur Erinnerung: Das ist jene Abteilung im Sozialministerium, die von Herbert Haupt gegründet wurde, als er sich noch Frauenminister nennen durfte. Mittlerweile ist zwar Maria Rauch-Kallat für uns zuständig, also jene Politikerin, die auf die Frage, ob die Pensionsreform nicht Frauen massiv benachteilige, mit der Erklärung konterte, ihre Töchter hätten eine private Pensionsversicherung abgeschlossen und sie würde das allen anderen jungen Frauen raten. Die Abteilung 6 (bitte, keine Witze) ist aber bei Haupt geblieben - und hat gearbeitet.

Das Ergebnis ist eine eben veröffentlichte Studie. Eine Studie, für die zwar gerade einmal zehn Betroffene und noch weniger Experten befragt wurden, weshalb ich weniger von einer Studie als von einer Reportage sprechen möchte - aber immerhin. Die Reportage deckt Brisantes auf. Eine Scheidung, so das Fazit, benachteiligt die Männer.

Sapperlot, wie die Kindergärtnerin meiner Tochter sagen würde. So etwas aber auch. Und warum? Erstens, so die Verfasser, gebe es einen "Muttervorrang". Will heißen: Kinder, vor allem kleinere, werden meist der Mama zugesprochen. Wie das möglich ist? Wo doch 98 Prozent der Familiengeld-Bezieher männlichen Geschlechts sind? Oder ist es umgekehrt?

Zweiter Punkt: die Finanzen. Kinder kosten. Wenn man gut verdient, sind sie teuer. Wenn man schlecht verdient, sind sie fast unbezahlbar. Und wenn man zwei Haushalte finanzieren muss . . .

G
eschiedene Väter, so die Repor tage, leben nicht selten am oder unter dem Existenzminimum. Aber was bekommt eigentlich die Ex-Frau eines auf 482,25 Euro gepfändeten Papas? Genug, um die Wohnung zu heizen, ohne das Sozialamt zu bemühen? Ist sie die "Gewinnerin"? Und der Vater der "Verlierer?" Und die Kinder?

Aber vielleicht wollen die Verfasser dieser Reportage ja haargenau dasselbe wie ich: Dass Kinder - egal ob eheliche, uneheliche oder nicht mehr eheliche - nicht länger das "Armutsrisiko" Nummer eins sind. Dass Männer und Frauen gleichen Lohn für gleiche Leistung kassieren. Dass sie sich die Freude über und die Sorge um ihre Sprösslinge teilen und auch die Arbeit, die Kinder nun einmal bedeuten. - Aber wenn die Verfasser nun tatsächlich erkannt haben, dass Männer sowieso wollen sollten, was Frauen schon lange fordern; wenn das wirklich der Fall ist, dann habe ich nur noch eine letzte Frage: Warum setzt sich die "männerpolitische Grundsatzabteilung" nicht einfach hin und löst sich auf?

bettina.eibel-steiner@diepresse.com

Lesen Sie mehr zu diesen Themen:


Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt
Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.