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ie OECD hat also gesprochen. Das heißt: geschrieben. Bei der Fami lienförderung in Österreich, so eine Studie, laufe einiges verkehrt. Zwar würden für Kindergeld & Co. Rekordsummen ausgegeben. Doch bei der Betreuung der Kleinsten schaut es schlecht aus. Ergebnis: Mütter werden vom Arbeitsmarkt fern gehalten.
Nun ist die OECD keine Versammlung von Montessori-Pädagogen, und dass ihre Erkenntnisse auf psychologischen Tiefen-Interviews mit jungen Eltern fußen, darf ebenfalls bezweifelt werden. Die OECD interessiert sich - um in Marmelade-feindlichen Zeiten einmal das Österreichische zu feiern - einen "Schmarrn" für das Glück der Kleinfamilie. Trotzdem hat sie recht. Sie hat recht, weil ich nicht nur eine Frau kenne, die mühsam zwischen Babysitter und Privatkindergarten herumjongliert, um wenigstens halbtags arbeiten zu können.
Sie hat recht, weil Mütter in ländlichen Gegenden es oft gar nicht wagen, ihre Kinder vor dem 4. Geburtstag der Betreuung durch Pädagogen zu überlassen. Das gilt nämlich als "abschieben". Begeisterte Hausfrauen degradieren hierzulande berufstätige Mütter schon mal zu "Teilzeitmüttern" (gelesen in "Woman").
Die OECD hat recht, weil viele Kinder keine Geschwister haben, mit denen sie spielen und streiten, verhandeln und sich versöhnen könnten.
Sie hat recht, weil Kinder zwischen drei und sechs Jahren laut ORF über eine Stunde täglich vor dem Fernseher sitzen (Video- und DVD nicht eingerechnet). Ein Durchschnittswert! Nachdem ich aber rein gar niemanden kenne, der ein Kind so lange vor dem Kasterl parken würde, kann ich mir ausrechnen, dass es etliche Vierjährige gibt, deren Babysitter einen Bildschirm hat. Ob die im Kindergarten nicht besser aufgehoben wären?
U
nd zuletzt: Von wem sollen die Kinder der Zuwanderer Deutsch lernen? Von ihren Eltern, die es selbst oft nur radebrechen? "Sprechen Sie zu Hause weiter Türkisch", riet vor zwei Jahren Hannahs Kindergartentante einer Mutter: "Deutsch lernt er schon bei uns". Sie hatte recht. Der Bub spricht heute akzentfrei.
Statt so zu tun, als würde man die Entscheidung den Frauen überlassen, sollte man sich eher überlegen, ob man nicht sogar ein Pflicht-Vorschuljahr einführt.
Das nutzt vielen.
Und den glücklichen Kindern, deren Mütter mit großem Vergnügen vorlesen und malen; deren Mütter basteln und musizieren können, Laternenfeste organisieren und darin ihre Erfüllung finden? Also den Kindern dieser Mütter wird das gewiss auch nicht schaden.
bettina.eibel-steiner@diepresse.com