Rückzugsgefecht: Eine etwas andere Bettgeschichte

Was haben wir gelacht! Und es war auch zu komisch, was Hans da erzählte: Oder können Sie sich vorstellen, daß Sie Ihr Baby in den Schlaf wiegen, indem Sie mit ihm auf dem Gymnastikball durch die Wohnung hopsen? "Wir hätten alles getan", meinte Hans: "Wirklich alles! Es hat ja auch geholfen." Zumindest zwei Wochen lang. Dann hat, erzählte Hans weiter, der Kleine losgebrüllt, wenn er den Ball nur gesehen hat. In der Folge haben sie es mit der Schaukel versucht (da wurde ihm schlecht), haben indische Sitarmusik aufgelegt (Tip von einer Freundin) und irgendwann sind sie auf den Trick mit dem Auto gekommen: "Ich habe ihn in den Maxi-Cosi gesetzt und bin mit ihm den Ring entlang gefahren. Einmal, zweimal . . . Beim dritten Mal hatte ich das Gefühl: Die ganze Ringstraße ist voll von Vätern und alle fahren mit ihren Kindern im Kreis!"

Gut. Die Zeiten sind vorbei. Michael ist jetzt sechs und schläft auch ohne Auto ein, allerdings im Elternbett und nur dann, wenn Mama sich dazulegt. "Das kann dauern. Dafür ist der Benzinverbrauch geringer", meinte Mona und lachte.

Mein Mann und ich lachten auch. Dann sahen wir uns kurz an. Wir waren uns einig: Selber schuld! Was lassen die sich so auf der Nase herumtanzen! Auch Eltern haben Rechte! Unter anderem das auf ruhigen Schlaf und ein ungestörtes Sexualleben.

Unsere Tochter, 3, die schläft brav im eigenen Bett. Nicht, daß es einfach gewesen wäre! Im Gegenteil. Die wollte noch als acht Kilo schwerer Brocken in den Schlaf gewiegt werden. Wir haben die Notbremse gezogen. Wir haben ein striktes Abendritual eingeführt, ein Schlummerlicht in Form eines Papageis montiert, Geschichten von der Traum-Fee erzählt. Vor allem: Wir waren konsequent.

Dachten wir. Bis vor kurzem. Begonnen hat es harmlos: Sie trippelte mitten in der Nacht in unser Zimmer. Na gut, dachten wir: Wenigstens strampelt sie nicht im Schlaf. Ein paar Wochen später kam sie schon um zehn daher - und wir trösteten uns damit, daß sie wenigstens alleine einschläft. Dafür brauchte sie aber erstens immer länger ("Mama, ich hab' Hunger", "Mama, ich hab' Durst", "Mama, das Fenster hat Augen"). Zweitens war sie nach einer 30 Minuten wieder wach.

Vor einer Woche gaben wir schließlich auf. Zeichen unserer Kapitulation: Im Kinderzimmer liegt nicht einmal mehr eine Decke. Aber eine Dauerlösung ist das nicht! Das geht nur so lange, bis das Baby da ist! Oder so lange, bis Hannah sich ans Baby gewöhnt hat? Oder bis auch das Baby alt genug ist, im Kinderzimmer zu schlafen?

Ach was. Fragen Sie mich einfach in ein paar Jahren noch einmal.

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