Weiberrede Widerrede: Es war einmal - die Fernmeldebehörde

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ie Dame am Telefon war freund lich. Sehr freundlich sogar. Dass sie kompetent war, wage ich zu bezweifeln, aber das darf man im Zeitalter der Call Center wohl nicht verlangen. "Sie können jetzt", erklärte sie, "mit der Telekom Austria noch günstiger telefonieren!" - "Ehrlich gesagt", antwortete ich: "Wir zahlen nur die Grundgebühr. Alles andere läuft über einen privaten Anbieter." - "Trotzdem!" - "Und wie, bitte?" - "Das ist kompliziert. Ich schicke einen Berater vorbei!".

So ändern sich die Zeiten! Ich meine damit nicht nur die Tarife - obschon mein Vater um einiges reicher wäre, hätte es schon vor 20 Jahren "tiktak family" gegeben. Nein: Ich meine die Firmenphilosophie. Jetzt macht die Telekom Hausbesuche! Wirbt um Kunden. Schneidert die Tarife maß. Verbessert das Service. Also damals, als ich meinen ersten Telefonanschluss beantragte, wäre das undenkbar gewesen. Da war die Telefonie eine hoheitliche Angelegenheit, verwaltet von der "Post und Fernmeldebehörde"! Auf einen Anschluss wartete man Wochen. Und wenn man einen hatte, dann durfte man nicht einfach einen x-beliebigen Apparat dranhängen. Der musste genehmigt werden! Gewöhnlich gehörten Telefone überhaupt der Post - und wurden vermietet. Was den Vorteil hatte, dass zerschmetterte Apparate gratis ersetzt wurden. Auch ruinierte Kabel. Ich weiß das, weil meine Katze die gerne entzwei biss. Nicht nur einmal. Auch nicht zweimal. Beim dritten Mal schlug ich vor, das zehn Meter lange Kabel gegen ein kurzes einzutauschen. "Dann kommt die Katze nicht dran." - "Können wir machen. Kostet aber extra."

S
o war das damals. Und jetzt kommt sogar ein Berater vorbei! Er war pünktlich, zückte den Kuli, verlangte den Einzelgesprächsnachweis der Konkurrenz und begann darauf herum zu malen, um mir zu demonstrieren, dass wir draufzahlen, weil die erst nach einer Minute sekundengenau abrechnen. Ich sah ihm eine Weile zu. "Gut", sagte ich dann: "Verstanden. Jetzt zu den Tarifen." - "Ich bin noch nicht fertig." - "Wie kann ich günstiger telefonieren?" - "Ich muss das fertig machen!" - "Sie können aufhören. Ich habe es verstanden!!!" - "Ich habe keine Lust mehr, Sie zu beraten", sagte er. Und ging.

Ich war verdattert und rief meinen Vater an. "Was lässt du dich auch auf Haustürgeschäfte ein!", sagte er: "Das sind Keilerfirmen. Die verwirren die Leute und drängen sie dann, zu unterschreiben!" - Das Resümee? Ich habe mich im Internet schlau gemacht. Wir wechseln jetzt zu einem anderen Anbieter. Erraten: Es ist nicht die Telekom.

bettina.eibel-steiner@diepresse.com

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